Link auf das Archiv
dbb magazin für junge Leute im öffentlichen Dienst
Anzeige Wüstenrot
editorial
   
  Justiz 2.0 – der Kampf gegen die Onlinekriminalität
Strafverfolger im Cyberspace


Das Web 2.0 – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2010. Dies sind die Abenteuer der deutschen Strafverfolgungsbehörden, die mit seit Jahrzehnten schrumpfender Besatzung und ausgestattet mit vorgestriger Technik unterwegs sind, um neue virtuelle Verbrechenswelten zu erforschen, neue Kriminalitätsdimensionen und ganze Zivilisationen neuer Straftäter zu entdecken, die im Cyberspace ihr Unwesen treiben. Viele Lichtjahre von dem entfernt, war wir bislang als „konventionelle Straftaten“ kannten, dringt die Justiz 2.0 in Deliktgalaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat...
Gelogen und betrogen wird seit jeher. In jüngster Vergangenheit immer öfter auch virtuell und dabei doch ganz konkret: im Internet. Wer kennt es nicht, das tägliche Shoppingvergnügen in den zahllosen Onlinekaufhäusern? Ebay, Amazon & Co. boomen seit Jahren – und mit ihnen wächst auch die Anzahl an Kriminellen, die an den gewaltigen Umsetzen, die beim Onlineshopping erzielt werden, mitverdienen wollen.
Egal ob Nepp und Schlepp beim Einkaufen im Internet oder Datenmissbrauch bei Online-Gewinnspielen, Vertrieb verbotener Darstellung und Schriften oder gar Kinderpornografie – kaum ein Feld im Cyberspace, das die Kriminellen nicht schon für ihre rechtswidrigen Zwecke bestellt hätten. So sehr die Verbreitung des Internets und sein großer Nutzen für Internetkriminalitätden Einzelnen wie auch für die Allgemeinheit von Vorteil sind – die wenigsten User realisieren, welche Risiken das Web 2.0 vor diesem Hintergrund in sich birgt. Das Internet eröffnet dem Anwender eine Vielzahl an Freiheiten und Möglichkeiten. Gleichzeitig tun sich aber ebenso viele Fallen auf, in die nicht nur Gutgläubige tappen. Die Betrugsdezernate der Polizei, Amts-, Staatsanwaltschaften und Gerichte ertrinken in einer Flut von Anzeigen und Betrugsfällen aus dem World Wide Web. „Die Internetkriminalität hat sich zu einer sichtbaren und spürbaren Bedrohung für die Informationsgesellschaft entwickelt“, brachte es der damalige Bundesinnenminister Otto Schily schon Anfang des neuen Jahrtausends auf den Punkt, die digitalisierten Informationswege bieten, Großteils unter dem Deckmantel der „Freiheitsrechte für den Internet-Benutzer“, einen nahezu unbegrenzten Markt der Möglichkeiten für kriminelle Handlungen.
Damit die Strafverfolgungsbehörden den Cyberkriminellen nicht immer nur hinterherlaufen – wie es bis heute der bedauerliche Normalfall ist –, müssen insbesondere Polizei, Amts- und Staatsanwaltschaften personell wie materiell in der Lage sein, nicht nur den Technik- und Zeitvorsprung krimineller Täter im Netz auszugleichen, sondern künftig auch mit der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung Schritt zu halten. Außerdem muss Schluss sein mit dem Irrglauben, der Staat wolle an die Daten der Bürger. Jedem muss klar sein, dass die Ermittler selbstverständlich verantwortungsbewusst mit den ihnen übertragenen Aufgaben und Daten umgehen – schließlich geht es um die Aufklärung und Verhinderung von Straftaten, nicht um die Ausspähung unbescholtener Internetnutzer. Zahlreiche Deliktarten, vor allem Kinderpornografie oder rechtsextreme Propaganda, aber ebenso Drogenhandel, Arzneimittelmissbrauch, Kapitalanlagebetrug, Kreditbetrug, Annoncenbetrug, Urheberrechtsverletzungen oder Hackerdelikte zur Datenausspähung und Computersabotage spielen sich heute überwiegend online ab. Wenn der Justiz die Möglichkeit genommen wird, hier rechtzeitig aktiv zu werden, kommt das einem Offenbarungseid des Staates gleich. Das kann niemand wollen, und demensprechend besteht dringend Handlungsbedarf – wir brauchen Justiz 2.0!

Michael Gadzalla
Stellvertretender Vorsitzender dbb jugend



tacker 09_2010   Download
aktuelle Ausgabe:
t@cker 09/2010
(4.15 KB PDF)
   

nach oben

Sandra Hennig

„Alles, was Recht ist“ – tausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sorgen tagtäglich dafür, dass die Gesetze, die hierzulande gelten, umgesetzt werden, dass Recht und Ordnung herrschen. Dabei sind es nicht nur die „großen“ Strafverfolger wie beispielsweise Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Halle, der sich als langjähriger Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Kinderpornografie in Sachsen-Anhalt einen internationalen Namen gemacht hat und als Experte in Sachen Internetkriminalität gilt. Im t@cker-special erläutert er die Herausforderungen, vor die diese neue Form der Kriminalität die Ermittlungsbehörden stellt. Es sind – wenn es um den praktizierten Rechtsstaat geht – vor allem die vielen Beschäftigten der Polizei und Justizverwaltung, die jeden Tag rund um die Uhr Unrecht bekämpfen, Strafen rechtmäßig vollziehen und gleichzeitig die Resozialisierung von Straffälligen anstreben. So etwa die Justizvollzugsbediensteten der JVA Berlin-Moabit (t@cker-special), aber auch die Berliner Amtsanwälte, die die Staatsanwaltschaft als Allrounder der Strafverfolgung unterstützen (t@cker-story). Selbstverständlich bietet das dbb jugend magazin auch wieder

Neues aus dbb Jugendverbänden und dbb, im t@cker-checker
stehen klasse Preise, Musik- und Kino-Tipp für Euch bereit! 
 
Sandra Hennig
Vorsitzende dbb jugend