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4. April: Internationaler Tag der Minenaufklärung

Landminen: Trotz Verbots töten sie weiter

Abdurrahim Ahmed Mohamed (12) aus Darfur verlor seine rechte Hand und das Sehvermögen auf seinem linken Auge, als er und seine Freunde in der Nähe ihres Dorfes mit einer Landmine spielten, die sie für unscharf hielten. Die Munition explodierte.

Sie gleichen Plastiktellern oder Schmetterlingen, liegen unweit von Dörfern auf Äckern und in Straßengräben, und sie bedrohen das Leben von Menschen – egal, ob Alt oder Jung: Antipersonenminen. In Ländern wie Afghanistan, Bosnien, Kolumbien und Somalia, Sudan – um nur einige zu nennen – bedeuten die Arbeit auf dem Feld, die Suche nach Feuerholz, der Weg zur Schule, das Spielen im Dorf ein todbringendes Risiko. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) liegen über 100 Millionen Antipersonenminen weltweit vergraben, weitere 200 bis 250 Millionen werden in den Depots der Militärs vermutet. Die „Internationalen Kampagne gegen Minen“ (ICBL) schätzt, dass jedes Jahr 15.000 bis 20.000 Menschen durch diese heimtückischen Apparate verletzt, verstümmelt oder getötet werden. Und das, obwohl Landminen seit 20 Jahren international geächtet werden und verboten sind. Der 4. April erinnert jährlich als Gedenktag an die Minenopfer und will die Bemühungen stärken, die tückischen Killer aus der Welt zu schaffen.

Erst wird der Minenkörper aus dem Minentopf herausgeschleudert, in eine Höhe von ungefähr 1,50 Meter. Sobald diese Höhe erreicht ist, kommt die Mine zur Wirkung: Sie explodiert und verschießt Splitter in einem Umkreis bis zu 50 Meter. So funktioniert das Landminen-Modell „Claymore“. Wahlweise wird es durch direkte Berührung ausgelöst oder Stolperdraht. Antipersonenminen: Perfide Killer, die im Boden lauern und über Jahrzehnte eine schwerste Verletzungen und Tod bringende Gefahr darstellen…

Ottawa-Konvention seit 1999 in Kraft

Am 1. März 1999 trat die „Internationale Konvention über das Verbot von Antipersonenminen“ in Kraft. Inzwischen sind 164 Länder dem Vertrag, der so genannten Ottawa-Konvention, beigetreten: Das Übereinkommen verbietet die Entwicklung, Produktion, Lagerung, Export, Transfer und Einsatz aller Antipersonenminen. Obwohl weltweit bereits über 50 Millionen Antipersonenminen gemäß Ottawa-Vertrag zerstört wurden, gelten immer noch 14 Staaten als Produzenten der Tötungsmaschinen, darunter die drei führenden globalen Militärmächte USA, Russland und China. Alle drei wollen der Ottawa- Konvention bis heute nicht beitreten.

Permanente Gefahr über Jahrzehnte

Ein Minen-Wolf der UNMAS (UN Mine Action Service) im Südsudan schlägt eine minenfreie Schneise. Das schwere Räumgerät wird ferngesteuert. aum für den Inhalt von class "fotos"
Per Hand und zu Fuß sucht ein UNMAS-Mitarbeiter die Gegend um Juba nach scharfen Landminen ab – in den Tagen zuvor war es dort zu heftigen Gefechten zwischen den Bürgerkriegsgruppen gekommen.
Taifa Mate bewirtschaftet Farmland im Osten von Rejaf im Südsudan und ist froh, dass die Minensucher der Vereinten Nationen (UNMAS) seine Felder durchsucht und von Minen geräumt haben.

Werden Landminen nicht geräumt, stellen sie gerade auch nach dem Ende eines militärischen Konflikts eine permanente Gefahr dar, da sie oft über Jahrzehnte hinweg „scharf“ bleiben. Amputationen mit traumatischen psychischen und physischen Folgeschäden kennzeichnen das Schicksal von Minenopfern – vorwiegend Zivilisten und überwiegend Frauen und Kinder. Männer verlieren durch die Minen oft auch die Möglichkeit zu arbeiten und ihre Familien zu ernähren, sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Rehabilitation und Wiedereingliederung dieser Menschen in ihre Gesellschaften gestalten sich äußerst schwierig. Doch Minen zerstören nicht nur Menschen, sie verursachen auch großen Schaden in Infrastruktur und Landwirtschaft: Acker- und Weideflächen, die mit Minen verseucht sind, können nicht genutzt werden, Vieh wird getötet, die Suche nach Wasser und Brennholz wird für die Menschen zu einer lebensgefährlichen Arbeit. Außerdem wird die humanitäre Hilfe behindert (Hilfstransporte müssen beispielsweise per Flugzeug durchgeführt werden), und viele der Kriegsflüchtlinge kehren nicht zurück, solange ihr Land vermint ist.

Erschreckend: Die Zahl der Opfer von Minen und deren explosiven Resten hat in den vergangenen Jahren wieder den höchsten Stand seit der Jahrtausendwende erreicht. Mindestens 8.605 Menschen wurden 2016 durch solche Sprengsätze getötet oder verletzt. Das berichtet die Hilfsorganisation Handicap International in ihrem „Landminenmonitor“. Nur im ersten Jahr der Erfassung, 1999, seien mit mehr als 9.000 Opfern mehr Tote und Verletzte registriert worden.

Neue Krisenherde – ein Spitzenreiter: Ukraine

Die meisten Opfer gab es 2016 im Jemen, in Libyen, Afghanistan, Myanmar und der Ukraine. Noch nie waren so viele Kinder unter den Verletzten und Getöteten – 42 Prozent aller Opfer waren nach Angaben der Organisation minderjährig. Durch die Konflikte in Syrien und Myanmar sind in den vergangenen Jahren neue Krisenherde entstanden, wo Landminen eine traurige Rolle spielen. Seit 2012 setzten zum Beispiel syrische Regierungstruppen auf Antipersonenminen. Auch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ setzt diese tödlichen Fallen ein. Myanmar soll nach Berichten Minen vermehrt entlang der Grenze gelegt haben, um die nach Bangladesch geflohenen Angehörigen der muslimischen Minderheit der Rohingya von einer Rückkehr abzuhalten. Der Krieg in der Ostukraine verursachte nach UN-Angaben mehr Todesopfer durch Landminen als jeder andere Konflikt weltweit. Weltweit sind derzeit 64 Staaten mit Antipersonenminen kontaminiert. Die Länder Afghanistan, Angola, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Irak, Kambodscha, Kroatien, Thailand, Tschad, Türkei und die West-Sahara sind dabei mit Flächen von mehr als 100 Quadratkilometern am stärksten betroffen.

UN-Gedenktag soll aufmerksam machen

Seit 2005 ist der 4. April der „Internationale Tag der Aufklärung über die Minengefahren und der Unterstützung bei der Minenräumung“. Die Vereinten Nationen wollen damit jedes Jahr wieder auf die tödliche Gefahr von Minen aufmerksam machen, die weiterhin in vielen ehemaligen oder aktuellen Kriegsgebieten im Boden liegen. Eine verbreitete Aktion der Gedenktag-Kampagne, die weltweit Beachtung fand und findet, ist „Lend your leg“ – zu deutsch etwa „Leih Dein Bein“, um an die zahlreichen Amputationsopfer von Landminen zu erinnern und eine minenfreie Welt einzufordern. Inzwischen sind zwar viele Staaten der Ottawa-Konvention beigetreten, dennoch stellen Minen weltweit weiterhin eine akute Gefahr für viele Menschen dar. Die UN schätzen, dass vor 1997 rund 110 Millionen Minen in circa 70 Ländern verlegt wurden. In einer Resolution vom 8. Dezember 2005 äußert sich die UN-Generalversammlung zudem als „zu tiefst beunruhigt über die Anzahl der Minen, die weiterhin jedes Jahr gelegt werden“… Ende

Weitere Informationen findet Ihr unter: http://www.icbl.org/en-gb/home.aspx

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