Anzeige
Offen für alle: Sozialarbeiterin Fe-Muin Semmelrock (28) arbeitet im Hamburger „why not?“ seit Jahren mit minderjährigen und jungen volljährigen Flüchtlingen, die sich alleine nach Deutschland durchgeschlagen haben.

Sozialarbeit mit jungen Geflüchteten

„Die Kids empowern!“

Von Britta Ibald

Fe-Muin Semmelrock ist selbst „ganz schön herumgekommen“, wie sie sagt: geboren in der Schweiz, aufgewachsen in Italien, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen, Studium der Sozialen Arbeit in Köln und Hamburg. Heute Sozialarbeiterin im Hamburger „why not?“, einem Ort für Begegnung, Beratung und Deutschunterricht, offen für alle, unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion oder Aufenthaltsstatus im Stadtteil St. Pauli. Die 28-Jährige arbeitet hier seit Jahren mit minderjährigen und jungen volljährigen Flüchtlingen, die sich ohne Eltern oder Verwandte alleine nach Deutschland durchgeschlagen haben. t@cker hat mit Fe-Muin über ihre Arbeit, ihre Motivation und natürlich ihre Schützlinge gesprochen.

„Seit ich denken kann, haben sich meine Eltern um Menschen aus anderen Ländern gekümmert, sie aufgenommen und ehrenamtlich begleitet – Menschen aus Afrika, Afghanistan, Irak gehörten schon in meiner Kindheit zum Alltag“, erzählt Fe-Muin Semmelrock. Als sie als Kind dann zum ersten Mal das Wort „Asylant“ in einem abschätzigen Zusammenhang hörte, fragte sie ihre Mutter erschrocken, was das denn sei – die Antwort: „Ach, das ist nur ein anderes, dummes Wort für Mensch.“

„why not?“: Menschen aus aller Welt

Menschen aus aller Welt hat Fe-Muin zum Inhalt ihrer täglichen Arbeit gemacht. Bereits während ihres Sozialpädagogik-Studiums in Hamburg arbeitete sie im „why not?“, einer Begegnungs- und Bildungsstätte für Migranten in der Hansestadt. Gegründet 1992 als ein Arbeitszweig der Stiftung Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland, finden hier neben dem täglichen Café-Betrieb regelmäßig öffentliche Konzert- und Kulturabende, gemeinsame Feste und internationale Gottesdienste statt. Außerdem bietet das „why not?“ Deutschkurse für alle Sprachniveaus und reichlich Beratung an: Begleitende Unterstützung im Umgang mit Behörden, Institutionen und bei Bewerbungen, interkulturelle Seelsorge und Lebensberatung.
Als hauptamtliche Mitarbeiterin managt Fe-Muin mittlerweile den Pool an Unterrichtenden, berät und akquiriert Betreuer für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Die „UMF“ gebe es schon sehr lange in Deutschland, berichtet Fe-Muin, lediglich die öffentliche Wahrnehmung sei wegen der in den letzten eineinhalb Jahren gestiegenen Fallzahlen nun eine andere.
Fe-Muins erste Arbeit im „why not?“ war eine kleine Lehrtätigkeit für junge Geflüchtete, Deutschunterricht, deutsche Grammatik. „Ich habe das zwei, drei Mal gemacht – und dann liebte ich es. Es war und ist total spannend, mit Jugendlichen zu arbeiten, die zum ersten Mal in ihrem Leben Jugendliche sein dürfen, denn das können sie in ihren Herkunftsländern in der Regel gar nicht. Und das Lehren und Lernen mit diesen jungen Menschen ist eine wahre Freude. Man kann ihnen zeigen, dass sie etwas lernen und erreichen können, was sie wollen! Das gibt ihnen ein Selbstwertgefühl, das sie so noch nie hatten“, berichtet Fe-Muin. Stolz schaut die Sozialarbeiterin durch ein Innenfenster in ihrem Büro hinunter in den Raum, in dem gerade junge Migranten im Deutsch-Unterricht sitzen: „Die wissen alle, was sie machen wollen, haben ein ganz klares Ziel vor Augen. Die sind sowas von fokussiert – toll! Dieses Potenzial darf nicht verschenkt werden“, sagt Fe-Muin.

Integration und politische Bildung

Gut besucht: Das „why not?“ bietet Deutschkurse für alle Sprachniveaus und reichlich Beratung an.

„Ihre Ausbildung und Integration kosten vielleicht auf den ersten Blick viel Geld. Aber sollten wir unsere Mittel wirklich lieber in Rüstung und Waffen investieren, durch die Menschen erst zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen werden? Oder das Geld in Unternehmen stecken, die uns diese Flüchtlinge dann ‚vom Hals‘ halten?“, fragt Fe-Muin herausfordernd. „Wir müssen die Chance, die sich uns mit diesen Menschen, die in unser Land kommen, bietet, ergreifen. Wir reden doch alle vom Fachkräftemangel und demografischen Wandel! Fremdenfeinde, Blockierer und Unkenrufer legen einer Lösung dieser Probleme nur Steine in den Weg“, findet Fe-Muin.
Rund 100 junge unbegleitete Flüchtlinge nehmen pro Jahr die Angebote im „why not?“ wahr – mittlerweile ist die Begegnungs- und Bildungsstätte in Hamburgs Schulen und Unterkünften bestens bekannt. „In unseren Kursen geht es nie allein um die reine Sprache, sondern wir arbeiten immer mit politischen Bezüge, wollen ein demokratisches Grundverständnis vermitteln, besprechen Fragen der Teilhabe“, erklärt Fe-Muin Semmelrock. „Wir wollen die Kids empowern, sie also darin bestärken, dass sie hier auch selbst Teil der Gesellschaft und des politischen Systems sind, mitreden und etwas bewirken können.“ So lernen die jungen Migranten beim „why not?“-Team auch Alltags- und Umgangsdeutsch, möglichst immer mit direktem gesellschaftlichen Bezug. „Wir möchten einen kleinen Samen setzen und zeigen, dass hier alles gar nicht so trostlos ist, wie es am Anfang scheint.“ Denn nach der Ankunft in Deutschland bricht zunächst viel auf die Kinder und Jugendlichen, die ja mit der Flucht bereits Einiges hinter sich haben, herein: Clearingverfahren, Asylantragsverfahren, Schule, Ausbildung, neue Umgebung, andere Kultur, andere Menschen – „da kommt bei vielen schlicht Panik auf“, weiß Fe-Muin, „das sind ja alles Mammutaufgaben, die diese Kinder und Jugendlichen ad hoc bewältigen müssen, physisch und psychisch.“ Zudem haben die jungen Flüchtlinge eben keine Eltern, andere Verwandte und Bekannte an ihrer Seite, die sie fragen können – zum Beispiel nach rechtlichen Regelungen, Steuern und ähnlichen Dingen. Deswegen sind die Betreuer der Unbegleiteten, aber auch ihre Kontakte im „why not?“ eminent wichtig. Die Probleme, mit denen die jungen Leute bei Fe-Muin und ihren Kollegen aufschlagen, sind die aller Teenager – ergänzt um die speziellen aufgrund des besonderen Statuts‘: Die Freundin oder der Freund hat gerade Schluss gemacht, die Eltern sind nicht da, man findet keinen Kontakt, was soll man mit seinem Leben anfangen, wie ist das mit einem eigenen Konto… „Einen Großteil unserer Beratungen nimmt die Vorbereitung aufs Asylverfahren ein“, berichtet Fe-Muin. „Da kann man keinen jungen Menschen unvorbereitet reinschicken, vor allem nicht in die Interviews, in denen ja ein wahrer Seelenstriptease ansteht, und das in einer nicht gerade angenehmen Situation – da sitzt ein Sachbearbeiter, fragt und macht Notizen, zeigt in der Regel keine emotionale Regung: Damit muss ein Teenager erstmal klarkommen.“
Stellt sich heraus, dass ein Jugendlicher umfassendere psychologische Betreuung, vielleicht sogar eine Therapie braucht, verweisen die Experten des „why not?“ ihre Schützlinge auch weiter an ausgebildete Psychologen und Therapeuten. „Vielen müssen wir dann auch erstmal erklären, dass eine Psychotherapie überhaupt nichts Schlimmes ist und überhaupt nichts mit einer Einweisung in ein Heim, zu tun hat, wie viele es aus ihrer Heimat kennen“, erzählt Fe-Muin.

„UMF“ – Unbegleitete Minderjährige

Die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland betreute Anfang 2017 insgesamt etwas mehr als 61.000 unbegleitete minderjährige und junge volljährige Menschen auf der Flucht. Sie kommen vor allem aus Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Die „UMF“ (Amtsdeutsch für „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“) werden nach ihrer Ankunft zunächst durch das vor Ort zuständige Jugendamt in Obhut genommen und dann im Idealfall bei einer geeigneten Person oder in einer geeigneten Einrichtung untergebracht – also dort, wo man auf die Betreuung von jungen Flüchtlingen spezialisiert ist. Im Zuge der vorläufigen Inobhutnahme findet das so genannte „Erstscreening“ statt, bei dem neben dem allgemeinen Gesundheitszustand auch das Alter festgestellt wird. Das Jugendamt schätzt auch ein, ob die Durchführung des späteren bundesweiten Verteilungsverfahrens in physischer oder psychischer Hinsicht das Kindeswohl gefährden könnte. Auch die Möglichkeit einer Familienzusammenführung mit in Deutschland lebenden Verwandten wird geprüft. Bestehen enge soziale Bindungen zu anderen Unbegleiteten, kann auch eine gemeinsame Unterbringung überlegt werden. Während des bundesweiten Verteilungsverfahrens, das binnen 14 Tagen nach Ankunft durchgeführt werden soll, aber oft länger dauert, ist sichergestellt, dass die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zum zugewiesenen Jugendamt begleitet und einer Fachkraft übergeben werden. Das Jugendamt kümmert sich dann um das weitere „Clearing“ (Klärung diverser Angelegenheiten): die Beantragung einer Vormundschaft, weitere medizinische Untersuchungen, die Ermittlung des Erziehungsbedarfs sowie eine Klärung des Aufenthaltsstatus. Für unbegleitete Minderjährige muss in jedem Fall ein Vormund oder eine Pflegerin bzw. ein Pfleger bestellt werden – wer das ist, wird vom Familiengericht entschieden. Eine Vormundschaft besteht in der Regel bis zur Volljährigkeit. Dabei orientiert sich die Volljährigkeit an dem Recht im Herkunftsland des Minderjährigen und nicht am deutschen Recht. Tritt also nach diesem Recht die Volljährigkeit erst nach Vollendung des 18. Lebensjahrs ein, wie etwa in Togo (Volljährigkeit mit 21), endet die Vormundschaft auch erst zu diesem Zeitpunkt.
Bis das Clearing-Verfahren umfassend abgeschlossen ist und damit feststeht, inwieweit der jeweilige junge Mensch Anspruch auf welche Mittel hat, vergehen je nach aktuellen Fallzahlen Wochen und Monate. Auch die Unterbringung der jungen Flüchtlinge ist derzeit ein Problem: Auch viele, die ihr Clearing-Verfahren bereits durchlaufen haben, sitzen oft noch lange Zeit in Sammelunterkünften oder Hotels, weil nicht ausreichend Jugendhilfeplätze und -einrichtungen zur Verfügung stehen.

 

„Jeder trägt sein Päckchen mit sich herum“

Politische Bildung: Eine wichtige Rolle bei der Arbeit mit den jungen unbegleiteten Flüchtlingen spielen die Bildungsfahrten nach Berlin und in andere Städte in Deutschland. Lernziel: Jeder hier ist auch selbst Teil der Gesellschaft und des politischen Systems, kann mitreden und etwas bewirken.

Es ist kein „Job“ wie jeder andere, mit Geflüchteten zu arbeiten. „Ich kann mir jeden einzelnen, der zu uns kommt, ansehen und weiß, die oder der trägt auch sein Päckchen mit sich herum – egal, wie fröhlich oder leichtfüßig das allgemeine Auftreten ist“, weiß Sozialarbeiterin Fe-Muin. Sie begegnet hier regelmäßig schweren Schicksalen – aber im Gegensatz zu den vielen Ehrenamtlichen, die sich im „why not?“ engagieren, hat sie in ihrer Ausbildung gelernt, damit umzugehen, nicht alles mit nach Hause zu nehmen. „Ich sage mir immer, dass man die Welt nicht rettet, wenn man sich jedes persönliche Leid auf die eigenen Schultern packt“, erklärt Fe-Muin. „Aber auch uns gelingt das nicht immer – auch wir sind ‚nur‘ Menschen“, räumt sie ein. Und erzählt von den verschiedensten Erlebnissen, die sie in den vergangenen Jahren bei der Arbeit mit den jungen Flüchtlingen hatte – „von krass traurig bis hin zu glückselig, stolz und zum Kaputtlachen witzig“…
Da war der Teenager aus Afghanistan, ganz allein gekommen, „saß da, hatte gar nichts, anfangs sogar noch nicht mal eine Unterkunft. Wir haben dann alles in Bewegung gesetzt und ihm eine Unterkunft besorgt. Dann war er glücklich, besuchte unseren Unterricht“, erinnert sich Fe-Muin. Aber auf einmal bekam der junge Mann einen Trauma-Flashback, erzählte Fe-Muin, wie er als Sechsjähriger vor seinen erschossenen Eltern saß, der Vater noch ein warmes Maschinengewehr in den Händen, wie er versuchte, „Mama“ und „Papa“ wiederzubeleben. „Er zitterte, weinte, hatte Panik“, erinnert sich Fe-Muin, „und wir fühlten uns alle genauso schrecklich wie er.“ Fe-Muins Arbeit kann grausam sein. Trotzdem erlebt sie auch immer wieder Postitives – „und das ist es, was mich motiviert und mir Kraft gibt“, sagt die 28-Jährige. Wie die Begleitung eines jungen Mädchens aus Guinea. In ihrer Heimat wurde verfolgt, sexuell belästigt. Aber auch in Deutschland hatte sie anfangs große Probleme, auch in der Schule, weil sie ihr Kopftuch getragen hat, wurde ausgegrenzt. „Aber plötzlich hat diese Kleine ihren Frust in extremen Ehrgeiz transformiert – die hatte richtig Bock, etwas zu erreichen“, berichtet Fe-Muin freudestrahlend. „Sie hat sich dann in kürzester Zeit zu einer der Besten der Schule hochgearbeitet und ein 1er-Abi hingelegt! Die hat einfach den Schalter umgelegt und gesagt ‚Ich zeig’s Euch, ich bin es wert!‘ Das war einfach schön zu sehen. Jetzt will sie studieren und sich für Frauenrechte in der Welt einsetzen. Die hat Feuer, und es ist toll, dass sie dieses Feuer nicht verloren hat“, freut sich Fe-Muin. Motivierend, weil „ungemein unterhaltsam und witzig“ findet die Sozialarbeiterin auch die Hamburg-Ausflüge und Berlin-Fahrten, die das „why not?“ für die jungen Flüchtlinge organisiert. „Wenn die Flüchtlinge dann beim Stadtführungs-Themen wie Zweiter Weltkrieg und Deutsche Wiedervereinigung erstaunt die Augenbrauen hochziehen und ironisch fragen ‚Ach, Ihr Deutschen musstet auch mal fliehen?!‘ – das ist schon putzig und bezeichnend“, sagt Fe-Muin. Oder wenn wir draußen sind und die Kids, die die Aufgabe hatten, bei einem Fremden kurz auf Deutsch nach dem Weg zu fragen, regelrecht loseisen müssen von ihrem Gesprächspartner, weil beide so toll und vertieft miteinander reden, dass sie gar nicht mehr aufhören möchten – „da geht mir wirklich das Herz auf“.
Fe-Muin Semmelrock ist überzeugt von dem was sie und ihr Team im Hamburger „why not?“ und die vielen Sozialarbeiter und Ehrenamtlichen an den zahllosen anderen Orten, an denen mit jungen Geflüchteten gearbeitet wird, tun: „Diese jungen Menschen sind eine Chance für uns, keine Bedrohung“, macht sie unmissverständlich deutlich. „Bis jetzt habe ich null negative Erfahrungen gemacht. Ganz anders war da zum Beispiel meine Arbeit in einem Jugendclub in Süddeutschland: Da waren sexuelle Belästigungen, Diebstahl, Sachbeschädigungen und Schlägereien an der Tagesordnung“, erzählt Fe-Muin. „Hier ist es das genaue Gegenteil: Die jungen Flüchtlinge sind sehr interessiert, sehr rücksichtsvoll und vorsichtig im Umgang miteinander.“

Ärger über rechtliche Ungerechtigkeiten

„Die Dinge besser machen“: Fe-Muin Semmelrock wird auch weiterhin mit jungen Migranten arbeiten, kann sich aber auch vorstellen, in der Forschung zu arbeiten, um Fakten zur politischen Debatte beizusteuern.

Alles prima also? Na klar hat Fe-Muin einen Wunschzettel für Verbesserungen: An erster Stelle sähe sie gerne die Stereotype und Vorurteile der Deutschen gegenüber den Flüchtlingen überwunden. „Ich bin immer wieder entsetzt, was den Leuten so im Kopf rumschwirrt“, sagt Fe-Muin, „es ist erschreckend, wie wenige sich einfach mal in die Lage dieser Menschen, die zu uns kommen, versetzen können – oder wollen.“ Fe-Muin ärgert sich auch über konkrete Ungerechtigkeiten, die sich in den deutschen Rechtsvorschriften für die jungen Geflüchteten offenbaren – ein Beispiel: „Das Beurteilungsverfahren über das Alter ist absolut ungeeignet, weil für die jungen Leute rechtlich einfach zu viel von dieser fixen Volljährigkeit abhängt. Mit der Volljährigkeit fliegt man aus der Jugendhilfe und all ihren Fördermöglichkeiten raus – egal, ob das im Einzelfall sinnvoll ist oder eben vollkommen kontraproduktiv. Oft wird bei der Aufnahme des Asylantrags auch einfach ein zu hohes Alter festgesetzt, um der öffentlichen Hand Ausgaben zu sparen – dem Jugendlichen aber wird damit auf einen Schlag sehr viel verbaut“, kritisiert die Sozialarbeiterin. Ungerecht findet sie auch, dass man als junge Geflüchtete und junger Geflüchteter, die im Asylverfahren stecken, nicht im vollen Umfang unter das Kinder- und Jugendhilfegesetz fällt – „da werden dann auch Leistungen gekürzt, die den Kids sonst zustünden. Und das Ganze geht von Bundesland zu Bundesland auch noch schön unterschiedlich drunter und drüber“. Solche Fehlsteuerungen hätten direkte negative Folgen für das Gelingen der Integration, ist Fe-Muin überzeugt. „Wenn wegen mangelnder Fördermittel dann eben nur ein Hauptschulabschluss gemacht wird, ist kurzsichtig und hilft weder dem Arbeitsmarkt noch den sozialen Sicherungssystemen“, schimpft Fe-Muin, „und den Jugendlichen werden Chancen schlicht verbaut. Das ist das Gegenteil von Integration.“
Fe-Muin macht jetzt erstmal weiter mit ihrer Arbeit im „why not?“ Für die Zukunft kann sie sich allerdings gut vorstellen, noch ein Masterstudium zu absolvieren und in der Migrations- und Fluchtforschung zu arbeiten: „Ich würde meine Erfahrungen gerne wissenschaftlich belegen, Politik mit validen Daten beeinflussen, mitmischen, die Dinge besser machen.“ Dass sie Letzteres schon jeden Tag macht, wissen Fe-Muins Schützlinge nur allzu gut – und wir jetzt auch. Vielen Dank dafür und alles Gute, liebe Fe-Muin!

Seitenanfang