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Kampfmittelräumdienst Berlin

Gefährlicher Kriegsschrott

Von Britta Ibald und Jan Brenner (Fotos)

 
     
„WOOOM“ – kontrollierte Sprengung von Altkriegsmunition auf dem Sprengplatz des Berliner Kampfmittelräumdienstes. Pro Jahr finden die Feuerwerker der Polizei rund 30 Tonnen Kampfmittel mit nach wie vor hochexplosiver Sprengstoff-Fracht.

Etwa 3.000 Weltkriegsbomben liegen noch immer im Berliner Boden, schätzen Experten: Blindgänger der Luftschlacht um Berlin vor mehr als70 Jahren – gefährlicher Kriegsschrott, oft nur einen Meter unter der Erdoberfläche der Millionen-Metropole. Um die Entschärfung der Last, die amerikanische, britische und vor allem russische Bomber damals über der Stadt abwarfen und die nichts von ihrer verheerenden Detonationskraft verloren hat, kümmert sich in Berlin die Polizei: Die 15 Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, der beim Landeskriminalamt angesiedelt ist und seinen Sitz im Grunewald hat. Fast 1.000 Mal pro Jahr rücken Chef Dietmar Püpke und seine Kollegen zu Funden aus und machen reichlich Munition unschädlich – von der Pistolenpatrone über Handgranaten bis hin zur 1.800 Kilo-Bombe. Rund 30 Tonnen Kampfmittel kommen in zwölf Monaten zusammen und werden bei Großsprengungen auf dem offiziellen Sprengplatz endgültig vernichtet.

100 Prozent Profi: Feuerwerker Dietmar Püpke (52) leitet den Kampfmittelräumdienst Berlin seit 2016. In seinem Büro dokumentiert eine Karte, wie viele Blindgänger seit Kriegsende in der Hauptstadt gefunden wurden – rund 1.500.

Anfang Oktober 2017, Berlin-Schöneberg: Der zylinderförmige Rostbrocken, der in den kommenden Stunden den gesamten Bezirk lahmlegen wird, ist knapp einen Meter lang und 250 Kilo schwer. Eine Hülle aus Stahl, in ihr zwei Zentner Sprengstoff. Was die russische Luftwaffe vor mehr als 70 Jahren über Berlin abwarf, macht in diesem Moment die Evakuierung von 10.000 Menschen rund um den dicht bebauten und bevölkerten Innsbrucker Platz nötig. Ring-S-Bahn und U-Bahn werden unterbrochen, die Stadtautobahn A100 gesperrt. Während rundherum Eile herrscht, Blaulicht blinkt, Absperrband flattert, sich Menschen auf und davon machen angesichts der drohenden Gefahr, bleibt einer mitten an der Stelle stehen, wo Bauarbeiter den Blindgänger gefunden haben: Dietmar Püpke (52), oberster Feuerwerker der Berliner Polizei, Leiter des Kampfmittelräumdienstes. Konzentration. Ruhe. Wie jeder Einsatz könnte das hier sein letzter sein. Doch daran denkt Püpke in solchen Momenten nicht. Nicht jetzt, direkt vor der Bombe. „In dieser Situation bin ich völlig klar, die Risikofrage habe ich für mich erledigt, als ich diesen Beruf ergriffen haben – anders geht’s nicht“, sagt Püpke, „sonst wird man verrückt.“
Die deutsche Bombe mit russischem Zünder liegt auf einem Erdhügel in Höhe einer S-Bahn-Trasse und kann nach Einschätzung der Experten nicht transportiert werden. Das heißt, sie muss vor Ort entschärft werden. Dafür muss Püpke entscheiden: Wie lässt sich der Zünder ausbauen? Von Hand? Schlecht. Einige Zünder sind mit einer Ausbausperre versehen, ein kleiner Stift sorgt dafür, dass der bloße Ausbauversuch die Bombe hochgehen lässt. Modern ist das Heraustrennen des Zünders mittels einer Hochdruckwasser-Schneidtechnik, die aber in diesem Fall auch nicht in Frage kommt. Püpke entscheidet sich für den „Klassiker“: Der Zünder wird aus der Bombe gesprengt. Dafür bohrt der Polizeifeuerwerker zwei Löcher nah am Zünder und füllt sie mit Sprengschnur. Eine gezielte Sprengung lässt den Mantel des Blindgängers aufplatzen, der Zünder fliegt heraus – ohne dass das TNT innerhalb der Bombe explodiert. Da das Risiko besonders hoch ist, dabei den Sprengstoff der Bombe zu entzünden, wird der Blindgänger mit Sand abgedeckt. Püpke zündet die gezielte Sprengung.
Rund 14 Stunden nach der Entdeckung der Bombe, es ist nachts gegen 1 Uhr, teilt die Berliner Polizei mit: „Unsere Kollegen haben den Zünder gesprengt und die Weltkriegsbombe in Schöneberg dadurch entschärft. Die Anwohner können nun in ihre Wohnungen zurückkehren.“ Routiniert packen Püpke und seine Kollegen ihr Werkzeug wieder ein, machen die noch immer mit Sprengstoff gefüllte, aber nicht mehr gefährliche Bombe fertig für den Abtransport zur Dienststelle im Grunewald. Dort wird der Kriegsschrott dann final demontiert und bei einer der zwei jährlichen offiziellen Sprengungen endgültig vernichtet.

Wie geht man mit dem Risiko um?

47.000 Tonnen Munition warfen die Alliierten im Laufe des Zweiten Weltkriegs über Berlin ab – darunter kiloschwere Killer: ein Granatsplitter.

Seit über 15 Jahren ist Dietmar Püpke Polizeifeuerwerker. Schon als Kind hat er sein Spielzeug auseinandergenommen, um den Aufbau zu verstehen, berichtet er schmunzelnd, als wir ihn zum Gespräch in der Dienststelle treffen. Nach dem Militärdienst, wo er die erste Sprengstoffausbildung erhielt, ging der gelernte Maschinist zur Polizei, und durchlief dort dann, mit 30 Jahren, die mehrjährige Ausbildung zum Polizeifeuerwerker – „mein absoluter Traumjob“. Seinen 39. Geburtstag verbrachte Püpke mit Kollegen des Kampfmittelräumdienstes auf dem Berliner Müggelsee: Sie „fischten“ Bomben aus dem Wasser, versenkt von Sowjetsoldaten. „Nach sechs 50-Kilo-Bomben haben wir erst mal aufgehört zu zählen“, erinnert sich Püpke, am Ende waren es 25, und der Senat ließ in der Folge den gesamten See, eines der größten Berliner Naherholungsgebiete, großflächig nach Munition absuchen und beräumen.
Wie geht man mit dem Risiko um, das der Beruf mit sich bringt? „Wer als Feuerwerker arbeitet, weiß, dass sich das zum Nachteil von Leben und Gesundheit wenden kann“ – hier spricht die vollkommene emotionale Ruhe eines absoluten Profis, der sich auf das, was er und seine Kollegen draufhaben, zu 100 Prozent verlassen kann – und können muss. 15 Mitarbeiter hat der Berliner Kampfmittelräumdienst, an dessen Spitze Dietmar Püpke seit 2016 steht: Sieben Beamte als sprengberechtigte Polizeifeuerwerker, acht Tarifkräfte als Fahrzeugführer und Sprenghelfer. „Wir wären alle nicht hier, wenn wir das Abenteuer suchen würden“, stellt Püpke klar. „Alle haben eine Vorgeschichte im Umgang mit Explosivstoffen, man ist grundlegend und umfassend ausgebildet im Umgang mit Zündmitteln und Sprengstoff und allen Arten der Zündung.“ Die Feuerwerker der Berliner Polizei sind handverlesen – „sieben von mehr als 20.000 Kolleginnen und Kollegen“, betont Püpke und hebt den Finger. Die Bewerber, Polizeibeamte mit abgeschlossener Laufbahnausbildung im mittleren oder gehobenen Dienst, müssen mindestens Mitte 30 sein und ein stabiles privates Umfeld haben. Erst nach einer intensiven Hospitation, bei sich die Dienststelle und die Aspiranten gegenseitig kennenlernen und austarieren, ob „es passt“, fallen die Entscheidungen. Auch mit den Familienangehörigen der potenziellen Polizeifeuerwerker kommen Püpke und sein Team ins Gespräch, erklären die Arbeit – und wie man mit dem besonderen Berufsrisiko umgeht. Die Ausbildung durchlaufen die Feuerwerker im Kampfmittelräumdienst selbst, hinzu kommen Lehrgänge bei weiteren Behörden und privaten Ausbildungsträgern, die jeweils mit einer mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfung abschließen. Vom „Graben unter Aufsicht“ über das Sondieren von Fundstücken bis hin zur ersten Sprengung vergehen im Durchschnitt fünf Jahre, erklärt Dietmar Püpke. Der erforderliche Sprengberechtigungsschein wird in mehreren Lehrgängen an staatlich anerkannten Bildungseinrichtungen absolviert.

Elektrischer, chemischer, mechanische rZünder? Für die Feuerwerker eine (überlebens-)wichtige Frage, die sie bei jedem Fund zu Beginn klären müssen.

Während die planmäßige Suche nach Weltkriegs-Blindgängern durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt organisiert wird – insgesamt sieben Mitarbeiter kümmern sich dort um Ermittlung, Luftbildauswertung und Bergungsorganisation – ist die Entschärfung, der Transport und die Vernichtung aufgefundener Kampfmittel ausschließlich Aufgabe des Kampfmittelräumdienstes. Dazu zählt übrigens nicht nur die Vergangenheitsbewältigung, sondern auch Gegenwärtiges: Püpke und seine Dienststelle sind ebenso zuständig für die klassische kriminaltechnische Untersuchung von konventionellen militärischen Munitionskörpern und arbeiten anderen Dienststellen und der Staatsanwaltschaft zu. Auch alle in Berlin im Rahmen von Strafverfahren sichergestellten explosionsgefährlichen Stoffe, Waffen und Munition landen beim Kampfmittelräumdienst. „Jedes Jahr bekommen wir von Gerichten und Polizeidienststellen rund 3.000 Waffen zur Vernichtung übergeben“, berichtet Püpke.

Zwei bis drei Fundstellen pro Tag

Pro Jahr kommt das Team von Dietmar Püpke auf bis zu 1.000 Einsätze, zwischen zwei- und dreimal täglich werden sie zu Fundstellen gerufen. Manchmal nur, um Entwarnung zu geben. „Aber das ist überhaupt nicht schlimm“, betont Püpke, wir kommen lieber einmal zum Entwarnen als einmal zu spät.“ Vor einer Woche erst entdeckten Gala-Bauer am Steinplatz mitten im Zentrum der City-West plötzlich verdächtige Gegenstände im Erdreich. Als die mit der Räumung beauftragte Kampfmittelräumfirma – Püpke und sein Team sind immer nur für Entschärfung und Beseitigung der Gefahr zuständig, nicht fürs Finden und Freilegen – fertig war, hatte man insgesamt 650 Kilo explosiven, aber immerhin transportfähigen Kriegsschrott zu Tage gefördert und zum Sprengplatz des Kampfmittelräumdienstes gebracht.

Verheerende Luftschlacht um Berlin

47.000 Tonnen Munition warfen die Alliierten im Laufe des Zweiten Weltkriegs über Berlin ab. Die Reihenfolge der Abwürfe war genau kalkuliert: Zuerst Luftminen, mit 1,8 Tonnen Sprengstoff in einer sechs Millimeter dünnen Stahlhülle. Die Druckwelle dieser „Wohnblockknacker“ ließ in der Umgebung alle Fenster und Türen aus den Angeln fliegen, deckte Dächer ab. Damit war der Weg frei für die Brandbomben, die mit schwer löschbaren Brandmitteln einen Feuersturm entfachen sollten. Durch die Öffnungen in den Hauswänden und das fehlende Dach schürte der Kamineffekt die Feuer mit immer neuem Sauerstoff. Zuletzt wurden Sprengbomben mit Zeitzündern, die auf 30 Minuten bis 140 Stunden gestellt waren, abgeworfen. Mit ihrer großen Splitterwirkung sollten sie vor allem Gas- und Wasserleitungen beschädigen – und auch herbeieilende Retter treffen. Knapp 10.000 Menschen starben im Laufe des Winters 1943/44 in Berlin in Folge der Luftangriffe. Unter der verheerenden Hitze der Brandbomben schmolz der Asphalt, ganze Viertel brannten nieder. Mit der Schlacht um Berlin endete schließlich der Zweite Weltkrieg, aber seine gefährlichen Relikte lauern mehr als 70 Jahre später noch immer überall im Boden: Bomben, Granaten oder Panzerfäuste.

 
     
Zum Bersten voll: Fast alle auf dem Sprengplatz Grunewald aufgestapelten Bomben und Granaten enthalten noch ihre tödliche Sprengladung – nur die Zünder wurden ausgebaut. Im Frühjahr und im Herbst werden die explosiven Überreste bei mehreren offiziellen Sprengungen auf dem Sprengplatz im Grunewald endgültig vernichtet.

Systematische Suche nach explosiven „Altlasten“

Was unmittelbar nach Kriegsende galt, gilt auch heute noch: Hände weg von Munition! „Blindgänger sind für Laien oft gar nicht zu erkennen“, sagt Spezialist Dietmar Püpke, „in einem Fall hielten Finder eine 1.900 Kilo-Bombe für einen alten Badeofen wollten das Ding auseinandernehmen. Im letzten Augenblick ist einer von ihnen auf die Idee gekommen, dass es doch auch was Anderes sein könnte, und hat die Polizei verständigt. Zum Glück.“

Diese „Altlasten“ werden in der Bundeshauptstadt gezielt gesucht, oft genug aber auch zufällig entdeckt, insbesondere beim Ausschachten von Baugruben. Die meisten Funde sind immer noch hoch explosiv und durch jahrzehntelange Korrosion besonders gefährlich. „Das größte Risiko bergen britische und amerikanische Blindgänger mit Zeitzündern“, erklärt Polizeifeuerwerker Dietmar Püpke. Jahrzehntelang lagen sie in der Erde, waren konstant Wärme, Druck, Wasser ausgesetzt. Kommen die Bomben zum Vorschein, verändern sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit schlagartig, die Auswirkungen können verheerend sein. Doch nicht nur, wenn sie freigelegt wird, ist eine solche Bombe gefährlich. Auch im Verborgenen arbeitet die Chemie des Zünders unberührt und unbemerkt. Innerhalb des Langzeitzünders sind höchst empfindliche Stoffe eingesetzt: Ein Schlagbolzen wird durch Zelluloidscheiben gehalten. Zerbröselt das Zelluloid, schiebt eine Spiralfeder den Bolzen nach vorne – die Bombe explodiert. Theoretisch, sagt Püpke, sei bei Blindgängern dieser Art eine „Selbstdetonation“ jederzeit möglich. In Berlin gab es davon bisher erst eine in den achtziger Jahren, aber an einem Radweg in München knallte es 2011 und auf einer Wiese in Buseck bei Gießen 2013 ohne jegliche Vorwarnung. „Je länger die Bomben unter uns liegen, desto gefährlicher werden sie“, sagt Püpke, „Sprengstoff rostet nicht.“

Noch 3.000 Blindgänger im Boden

Laut Schätzungen haben 15 Prozent der von den Alliierten abgeworfenen Bomben nicht gezündet. Eine Karte in Dietmar Püpkes Büro zeigt die Hauptstadt, übersät mit Stecknadeln. Jede Nadel steht für eine gefundene Bombe: ein großer roter Nadelkopf für 2.000-Kilo-Bomben, die kleineren Köpfe in grün, rot und schwarz für leichtere Bomben. Der Westen der Stadt ist wild gespickt, hauptsächlich rot und schwarz. Funde im Ostteil der Stadt werden erst seit 1990 dokumentiert, deshalb finden sich dort weniger Nadeln. Experten vermuten, dass noch rund 3.000 Blindgänger unentdeckt in Berlins Boden liegen – mehr als doppelt so viele wie seit 1947 geborgen wurden. Eine Menge Arbeit noch also für Püpke und seine Mitstreiter ...

Kontrollierte Sprengung im Wald

Bis zu acht Mal lassen es die amtlichen Feuerwerker jährlich selbst „krachen“, wenn sie die sichergestellte Munition endgültig vernichten – jeweils im Frühjahr und im Herbst wird auf dem offiziellen Sprengfeld im Grunewald gesprengt, immer mittwochs gegen 10 Uhr. Die zu vernichtende Munition wird dafür in insgesamt 25 Sprenggruben eingebracht, etwa zwei Meter tief. Darüber kommt eine Erdschicht, und nachdem der Wald innerhalb des Sicherheitskreises von 1.000 Metern von einer Räumkette der Polizei gesichert, die Stadtautobahn gesperrt und eine Luftfreigabe des Towers in Schönefeld erteilt wurde, drücken Püpke und seine Kollegen „aufs Knöpfchen“. Sechs Minuten dauert es, bis alle Sprenggruben gezündet sind. „Danach ist natürlich großes Aufräumen angesagt“, erklärt Püpke. Die Sprengungen verfolgen er und seine Leute in einem unterirdischen Bunker in einigen hundert Metern Entfernung über eine Kamera. „Da reicht es nicht, mal eben um die Ecke zu gehen“, sagt Püpke ernst und ärgert sich, dass viele Menschen heutzutage einfach falsche Vorstellungen von einer Detonation haben: „Wenn sich James Bond auf der Kinoleinwand unmittelbar neben einer Explosion abrollt, aufspringt und weiterrennt, kann ich Ihnen ganz einfach sagen: Vergessen Sie’s! Vollkommen unmöglich, so etwas zu überleben.“ Deswegen tragen die Bomben-Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes im Einsatz übrigens auch keinerlei besondere Schutzkleidung. „Wozu?“, fragt Püpke, „da, wo wir arbeiten – unmittelbar neben den Sprengkörpern – gibt es keine Überlebenschancen bei einer Detonation“, sagt der Feuerwerker. Wieder mit einer Gelassenheit, die seine Zuhörer fast beschämt. „Diese Bewegung“, sagt Püpke, und macht mit den Händen die Geste des Auseinanderschraubens von Zünder und Bombe nach, „die nimmt uns niemand ab. Nach uns kommt keiner mehr.“

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Blindgänger mit Langzeitzünder: Tickende Zeitbomben

Bomben mit Langzeitzündern sind mit das Gefährlichste, mit dem die Kampfmittelräumdienste zu tun haben. So funktionieren sie: Der Zünder sitzt in der Bombe, daran ein Windrad als Sicherung. Wird die Bombe aus dem Flugzeug geworfen, dreht das Windrad, getrieben vom Luftdruck, eine Welle in den Korpus und zerdrückt die kleine mit Aceton gefüllte Ampulle. Das auslaufende Aceton zersetzt eine Kunststoffscheibe, die den federvorgespannten Schlagbolzen festhält. Ohne die Kunststoffscheibe schnellt der Schlagbolzen auf den Detonator, dieser zündet die Vorladung und die freiwerdende Energie zündet die Hauptladung. Die Bombe explodiert. Wird dieser Prozess unterbrochen, oder geht die Ampulle nicht kaputt, wird die Bombe zum Blindgänger. Was diese Altlast so gefährlich macht, ist, dass die Kunststoffscheibe nach über 70 Jahren sehr porös ist: Kleinste Bewegungen der Bombe, wie der Kontakt mit einem Baggerkorb, können zur Explosion führen. Bekannt sind mittlerweile auch Selbstdetonationen ohne jegliche äußere Einwirkung.

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