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Befristungen

Bund taugt nicht als Vorbild

Im Jahr 2015 waren im öffentlichen Sektor 7,5 Prozent der Beschäftigten befristet angestellt, in der Privatwirtschaft nur 6,6 Prozent. In den Bundesministerien sind besonders junge Mitarbeiter bis 30 Jahre von der langen Ungewissheit betroffen.
Die Bundesregierung hat auf eine kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE mit aktuellen Zahlen zu den Beschäftigungsverhältnissen in den Bundesministerien und den nachgelagerten Bundesbehörden geantwortet (Drucksache 18/11087). Daraus geht hervor, dass beispielsweise im Auswärtigen Amt von 1.195 Beschäftigten, die bis 30 Jahre alt sind, 470 Kolleginnen und Kollegen befristet angestellt sind. Das sind 39 Prozent. Im Vergleich dazu wird der Anteil derjenigen mit einem befristeten Arbeitsvertrag an der Gesamtbeschäftigungszahl immer geringer, je älter die Beschäftigten sind. Bei den 30 bis 40-Jährigen liegt der Anteil aber immer noch bei 29 Prozent.

Vor allem betroffen:
Junge Menschen bis 30 Jahre

Sandra Kothe, Vorsitzende der dbb jugend, ordnete die Zahlen am 3. März 2017 in Berlin ein: „In den Bundesministerien sind besonders junge Menschen bis 30 Jahre befristet. Da fehlt es an Perspektive – für die Nachwuchskräfte, aber auch für die Ministerien. Jede Befristung ist eine zu viel!“ Insgesamt waren im Jahr 2015 im öffentlichen Sektor 7,5 Prozent der Beschäftigten befristet angestellt, während es in der Privatwirtschaft 6,6 Prozent waren. Da hiervon gerade die Jungen betroffen sind, macht sich die dbb jugend in Gesprächen mit Politikern und im Rahmen der Einkommensrunden dafür stark, dass Auszubildenden nach bestandener Abschlussprüfung die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zugesichert wird. Kothe hält die Praxis, zunächst befristet einzustellen, für kurzsichtig: „Bei Stellenausschreibungen gehen die Bewerberzahlen schon alleine auf Grund des demografischen Wandels zurück. Die Privatwirtschaft bietet Berufseinsteigern inzwischen Anreize, wie zum Beispiel ein Jobticket oder eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio, um die besten Bewerber für sich zu gewinnen. Der öffentliche Dienst hat sich zu lange auf seinem vermeintlichen Bonus als sicherer Arbeitgeber ausgeruht, und es ist höchste Zeit, dass hier ein Umdenken erfolgt und endlich vor allem auf sachgrundlose Befristungen verzichtet wird.“

Lange Unsicherheit trifft Beschäftigte hart

Die Übernahmequote, bezogen auf Entfristungen, Verlängerungen und Personalabgänge nach Befristungsende, hat sich im öffentlichen Sektor von 32 Prozent im Jahr 2014 auf 39,4 Prozent im Jahr 2015 erhöht. Ein Blick auf die durchschnittliche Beschäftigungsdauer der befristet Beschäftigten zeigt aber, dass der öffentliche Dienst Nachholbedarf hat: Im Jahr 2015 dauerte die befristete Beschäftigung dort im Durchschnitt 39,4 Monate, in der Privatwirtschaft waren es nur 20,4 Monate. „Eine so lange Unsicherheit trifft Beschäftigte jedes Alters hart“, machte Kothe deutlich. „Aber gerade die Jungen brauchen Perspektiven. Sie sind in einem Alter, in dem sie ein eigenes Zuhause haben wollen und vielleicht auch eine Familie. Mit einem befristeten Arbeitsvertrag wird die Wohnungssuche jedoch zum Fiasko. Hier sollte gerade der Bund als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen und möglichst unbefristet einstellen.“ Ende

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Wahlen zur Jugend- und
Auszubildendenvertretung (JAV) im Mai

„Wählen gehen!“, fordert dbb jugend-Chefin Sandra Kothe alle Azubis und jungen Beschäftigten bis 27 Jahre auf: Im Mai 2017 haben sie im Saarland, in Sachsen und in Rheinland-Pfalz wieder die Wahl – zur Jugend- und Auszubildendenvertretung, kurz JAV. Sie ist die Vertretung der Jugendlichen unter 18 Jahren und der zur Berufsausbildung Beschäftigten unter 25 Jahren (teilweise bis 27 Jahren) in einem Betrieb oder einer Behörde.

Die JAV setzt sich für die Belange der jungen Beschäftigten ein und ist deren Sprachrohr. Sie ist Informationsempfänger und Mitbestimmer. Die Probleme von Azubis und Anwärtern sind besonders und vielfältig. Egal ob es die Ausbildung, Übernahme oder die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes geht, die JAV ist helfende Hand für den Berufsnachwuchs. Da sie selbst aus jungen Beschäftigten und Azubis oder Anwärtern besteht, ist sie nah dran an Themen und Problemen und die jungen Menschen gut vertreten.

Mehr Infos gibt’s hier online. Ende

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Aktion in Berlin

18. März 2017: Equal Pay Day!

Die Lohnlücke in Deutschland zwischen Mann und Frau beträgt 21 Prozent, umgerechnet auf einen durchschnittlichen Stundenlohn sind das 77 Tage. Somit haben Frauen bis zu 18. März 2017 „umsonst“ gearbeitet.
Die vbba jugend hat am diesjährigen Equal Pay Day in Berlin auf dem Alexanderplatz auf diesen besonderen Tag, seine Gründe und Folgen aufmerksam gemacht. Unterstützung hatten sie dabei auch von Sandra Kothe, Vorsitzende der dbb jugend: „Wie kann es im Jahr 2017 noch möglich sein, dass so ein Unterschied in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen besteht? Selbst im öffentlichen Dienst, bei dem die Bezahlung per Gesetz oder mit Tarifverträgen geregelt ist, beträgt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen immer noch stolze 8 Prozent. Für uns als dbb jugend gibt es keinen Unterschied zwischen den Beschäftigten, egal ob männlich oder weiblich, jung oder alt, neu hinzugekommen oder alteingesessen. Für alle fordern wir gute Arbeitsbedingungen und das bedeutet auch eine gute und gerechte Bezahlung!“
Marcel Jansen, Vorsitzender der vbba jugend, erklärt: „Die bestehenden Tarifverträge im öffentlichen Dienst stellen zunächst alle Mitarbeiter gleich. Dennoch sind es meistens Frauen, die eine Elternzeit in Anspruch nehmen. Eine Phase im Leben, die im Alter meist zu erheblichen finanziellen Nachteilen führt.“ Seine Schlussfolgerung lautet deshalb: „Wir benötigen eine familiengerechtere Politik, sowie attraktive und flexible Arbeitszeitmodelle. Auch ein Umdenken der Gesellschaft für die Inanspruchnahme der Elternzeit sollte weiter vorangetrieben werden. Schließlich dürfen auch Männer ihre Kinder erziehen.“

Das Video zur Aktion auf dem Alexanderplatz könnt Ihr hier sehen. Ende

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt die geschlechtsspezifische Lohnlücke: den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen. Die vom Statistischen Bundesamt errechneten Bruttostundenlöhne der Frauen betrugen im Jahr 2016 16,26 Euro, während Männer auf 20,71 Euro kamen. Daraus ergibt sich eine Lohnlücke in Deutschland von 21 Prozent.

 

   
         
   
         
Für geschlechtergerechte Ein-kommen: Die vbba jugend machte – unterstützt von dbb jugend-Chefin Sandra Kothe – auf dem Berliner Alexander-platz auf den Equal Pay Day aufmerksam. (Fotos: Manfred Feit)

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18. Bundesjugendtag in Berlin

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: vom 12. bis 13. Mai 2017 findet in Berlin der 18. Bundesjugendtag der dbb jugend statt. Motto: #InMagentaWeTrust – Jugend 4.0.
Der Bundesjugendtag, nach der Bundesjugendleitung das alle fünf Jahre zusammentretende höchste Beschlussgremium der dbb jugend, wird eine neue Bundesjugendleitung wählen und mit der Diskussion und Abstimmung über Anträge die politische Richtung der dbb jugend für die nächsten fünf Jahre festlegen. Beim Logo des diesjährigen Bundesjugendtags hat sich die dbb jugend selbst kopiert: Es stammt aus einer Grafik der früheren dbbj-Zeitung „Der junge Beamte“ anno 1959 – ein Vorläufer des heutigen dbb jugend magazin t@cker.roße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: vom 12. bis 13. Mai 2017 findet in Berlin der 18. Bundesjugendtag der dbb jugend statt. Motto: #InMagentaWeTrust – Jugend 4.0.

Der Bundesjugendtag, nach der Bundesjugendleitung das alle fünf Jahre zusammentretende höchste Beschlussgremium der dbb jugend, wird eine neue Bundesjugendleitung wählen und mit der Diskussion und Abstimmung über Anträge die politische Richtung der dbb jugend für die nächsten fünf Jahre festlegen.

Beim Logo des diesjährigen Bundesjugendtags hat sich die dbb jugend selbst kopiert: Es stammt aus einer Grafik der früheren dbbj-Zeitung „Der junge Beamte“ anno 1959 – ein Vorläufer des heutigen dbb jugend magazin t@cker. Ende

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Gender Pay Gap

Mehr Lohngerechtigkeit für Frauen

Frauen sammeln im Erwerbsverlauf durchschnittlich 49,8 Prozent weniger Einkommen an als Männer, erläuterte Christina Boll, Forschungsdirektorin des Hamburger WeltWirtschaftsIntitut (HWWI) bei der Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung. Das HWWI hat den Gender Lifetime Earnings Gap, also die Verdienstunterschiede von Frauen und Männern über den gesamten Lebensverlauf untersucht.

Die Vorsitzende der dbb jugend (Bund) Sandra Kothe hat bei der Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung am 10. und 11. März 2017 in Königswinter die Forderung nach mehr Lohngerechtigkeit für Frauen unterstützt: „Wenn bereits beim Eintritt in das Berufsleben eine Lohnlücke klafft und diese sich bei Unterbrechung durch Kindererziehungszeiten auch noch vergrößert, reproduzieren wir Ungerechtigkeit. Damit muss Schluss sein!“
Bestätigt sah sich Kothe durch die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), die den Gender Lifetime Earnings Gap, also die Verdienstunterschiede von Frauen und Männern über den gesamten Lebensverlauf untersucht. Danach sammelten Frauen im Erwerbsverlauf durchschnittlich 49,8 Prozent weniger Einkommen an als Männer. Der Gender Pay Gap sei eine Momentaufnahme der Verdienstunterschiede und stelle nur eine Komponente der Ungleichheit im Verdienst dar. Sich allein auf diese zu fokussieren hieße, die Ungleichheit, die sich über das gesamte Erwerbsleben ergebe, zu unterschätzen. Insbesondere der nachteilige Einfluss von Teilzeitarbeit auf die Einkommensentwicklung müsse viel stärker in den Fokus der Debatte um die Verdienstunterschiede gerückt werden, stellte Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin am HWWI, heraus. Sie hatte die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte Studie auf der Sitzung der Hauptversammlung vorgestellt. Ende

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CESI Youth-Vorsitzender Matthäus Fandrejewski:

Stärker denn je für europäische Werte einstehen

Einen verstärkten Einsatz für die Werte der Europäischen Union hat CESI Youth-Chef Matthäus Fandrejewski gefordert. „Man hat momentan das Gefühl, fast machtlos gegen all das zu sein, was derzeit in Europa geschieht. Das ist aber nicht so! Wir müssen jetzt stärker denn je für die von uns hart erkämpften Werte der EU einstehen und sie schützen“, sagte Fandrejewski in einem Gespräch mit der komba gewerkschaft am 20. März 2017. „Ich habe großen Respekt vor den diesjährigen Wahlen in diesem Jahr in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland. Die Ergebnisse werden großen Einfluss auf die Arbeit der EU haben und damit letztendlich auch auf die Jugend“, machte Fandrejewski deutlich. Deswegen müsse auch die Jugend in Europa gerade jetzt „zeigen, dass wir ein starkes Europa sind und bleiben wollen. Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger wieder für die gestandene Politik begeistern. Populismus nimmt auf erschreckende Art und Weise zu, denn viele wollen einfache Antworten auf komplexe Fragen. Dass dabei Antworten wie ‚die EU ist an allem Schuld‘ nicht eigentliche Realität wieder geben, machen sich viele nicht klar“, so Fandrejewski. „Wir müssen insbesondere junge Europäer dort abholen, wo sie stehen, und sie für ein großes Friedensprojekt begeistern: die Europäische Union! Dabei sehe ich einen Fokus meiner Arbeit darin, über die Arbeit der EU und ihrer Institutionen aufzuklären. Da die CESI und damit auch die CESI Youth ein anerkannter Sozialpartner der Europäischen Kommission ist, dürfen wir bei Entscheidungen und Gesetzesinitiativen mitwirken. Und eines kann ich allen versichern: „Diejenigen, die in der EU Entscheidungen treffen, sind auch keine Außerirdischen. Nein, dort sitzen unsere demokratisch gewählten Politiker, die uns vertreten und wichtige Entscheidungen mit den Stimmen von immer noch allen 28 Staatsvertretern treffen müssen.“

Hier geht’s zum gesamten Interview. Ende

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dbb jugend hessen erfolgreich

Tarifabschluss für öffentlichen Dienst in Hessen

In der Nacht zum 3. März 2017 haben sich die Landesregierung und Gewerkschaften in Dietzenbach auf einen Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst in Hessen geeinigt. „Wir haben nach schweren Verhandlungen einen akzeptablen Kompromiss gefunden, der solide Einkommenserhöhungen und ordentliche strukturelle Verbesserungen umfasst“, sagte dbb-Verhandlungsführer Willi Russ. „Mit 2,0 Prozent ab 1. März 2017, mindestens aber 75 Euro, und 2,2 Prozent ab 1. Februar 2018 erhalten die Beschäftigten vergleichbare Gehaltserhöhungen wie die anderer Länder. Auch bei der Einführung der Erfahrungsstufe 6 ab Entgeltgruppe 9 zieht die Landesregierung nach. Als Besonderheit kommt hinzu, dass Hessen als erstes Bundesland die stufengleiche Höhergruppierung einführt. Das bedeutet, die Beschäftigten bleiben bei einem Aufstieg in eine höhere Entgeltgruppe in ihrer bisherigen Erfahrungsstufe. Als weitere hessische Besonderheit wurde eine Freifahrtregelung vereinbart, dank derer die Beschäftigten im Jahr 2018 den Nahverkehr in Hessen mit ihrem Dienstausweis kostenlos nutzen können“, so Russ.

Mehr Geld und Urlaub für Azubis

„Auch im Bereich der Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung haben wir Verbesserungen erreicht“, erklärte der dbb Verhandlungsführer weiter. „Das Land erhält die Möglichkeit für besonders gefragte Berufsgruppen wie Ärzte, Ingenieure und IT-Spezialisten eine Fachkräftezulage von bis zu 20 Prozent der regulären Tabellenentgelte zu zahlen. Zudem werden die Ausbildungsentgelte ab dem 1. März 2017 und ab dem 1. Februar 2018 um jeweils 35 Euro erhöht und der Urlaubsanspruch der Auszubildenden wird um einen Tag auf dann 29 Tage pro Jahr erhöht.“
„Jetzt müssen Landesregierung und Parlament mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung mindestens die materiellen Verbesserungen auf die Beamtinnen und Beamten sowie Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger des Landes und der Kommunen übertragen, um eine Teil des verloren gegangenen Vertrauens wiederherzustellen. Erst dann ist die Einkommensrunde für den dbb abgeschlossen“, so Russ abschließend.

Junge Beschäftigte gingen in Wiesbaden auf die Straße

Vor dem Tarifabschluss nach zähen Verhandlungen hatten die hessischen Landesbeschäftigten noch einmal ordentlich Druck gemacht – allen voran die dbb jugend hessen. Bei einer Demo in Wiesbaden am 1. März 2017 fand Julika Eidam, Vorsitzende der dbb jugend hessen, deutliche Worte für die Arbeitgeber: „Jede Woche berichtet die Presse über Personalmangel und Überlastung im öffentlichen Dienst. Und was ist der Lösungsansatz unseres Innenministers für dieses Problem? Die Wiedereinstellung von Pensionären zur Abdeckung des Fachkräftemangels. Nach unserer Meinung kann sich das Land Hessen durch geringer Mittel viel besser zukunftsfähig aufstellen: Durch eine spürbare Erhöhung der Ausbildungsgehälter und durch echte Perspektiven wie die Übernahme aller Auszubildenden nach bestandener Prüfung“, forderte Eidam – der Innenminister scheint gut zugehört zu haben.
Von den Verhandlungen über den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Landes Hessen (TV-H) und dem Tarifabschluss sind insgesamt etwa 181.000 Beschäftigte betroffen: Knapp 68.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für die der TV-H direkte Auswirkungen hat, sowie etwa 113.000 Beamtinnen und Beamte des Landes und der Kommunen, auf die der Tarifabschluss übertragen werden soll. Hessen ist 2004 aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ausgetreten und ist heute das einzige Bundesland, dass für den öffentlichen Dienst regelmäßig eigenständige Tarifverhandlungen führt. Ende

  Auf der Straße: Am 1. März 2017 machten die Landesbeschäftigten in Hessen, allen voran die dbb jugend hessen, mit einer Demo in Wiesbaden nochmal Druck auf die Arbeitgeber.
         

    dbb-Verhandlungsführer Willi Russ (li.) und Hessens Innenminister Peter Beuth unterzeichnen den Tarifabschluss für die hessischen Landesbeschäftigten am 3. März 2017 in Dietzenbach.

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Neue Bertelsmann-Studie

Studierende sind keine digitalen Enthusiasten

Deutschlands Hochschulen sind IT-technisch gut ausgestattet, doch die „gute alte Tafel“ wird von vielen Lehrenden und Lernenden nach wie vor hoch geschätzt.

Digitalisierung ist in den deutschen Hochschulen angekommen. Technisch sind diese zwar gut ausgestattet. Didaktische Potentiale aber bleiben trotz guter Infrastruktur oft ungenutzt. Das sind die Ergebnisse einer neuen Bertelsmann-Studie, für die Studierende, Professoren und Mitarbeiter der Hochschulverwaltung befragt wurden und die Teil des „Monitor Digitale Bildung“ ist, mit dem die Bertelsmann Stiftung zu einer umfassenden und repräsentativen empirische Datenbasis zur Digitalisierung der verschiedenen Bildungssektoren in Deutschland beitragen will.
Die meisten Hochschulen in Deutschland sind technisch gut gerüstet. 80 Prozent der Lehrenden sind zufrieden mit der entsprechenden Ausstattung und der WLAN-Qualität an ihrer Hochschule. Von den Studierenden erhält die IT-Ausstattung sogar noch bessere Noten. Die mit digitalen Medien angereicherte Lehrveranstaltung ist zum Normalfall geworden: 90 Prozent der Veranstaltungen werden heute durch digitale Elemente ergänzt. Beim selbstorganisierten Lernen setzen viele Studierende auf Social Media: 42 Prozent nutzen Chat-Dienste, 41 Prozent Foren und Blogs und 29 Prozent Soziale Netzwerke um zu lernen.

Gefragt ist didaktisch sinnvoller Einsatz

Dennoch sind Studierende keine digitalen Enthusiasten. Zwar wünscht sich eine deutliche Mehrheit der Studierenden (über 80 Prozent) digitale Medien und Videoangebote rund um die Lehrveranstaltung – nicht zuletzt deswegen, weil sie dadurch selbstständiger unter verschiedenen Lernangeboten wählen können. Rund 20 Prozent der Studierenden sind der Meinung, dass Lehrveranstaltungen ausschließlich mit digitalen Medien durchgeführt werden sollten. Die höchsten Zustimmungswerte unter den Lern- und Unterrichtsmitteln erhält die „gute alte Tafel“. Studierende halten vor allem die fachliche Eignung des Lehrpersonals für entscheidend; ausschlaggebend sind also nicht die Medien selbst, sondern deren didaktisch sinnvoller Einsatz.
Dozenten halten sich – wohl aus ähnlichen Beweggründen – nicht nur bei der Anwendung innovativer Lernformate zurück. Sie hegen große Skepsis gegenüber Wissensvermittlung durch Videos (86 Prozent), sehen ungelöste rechtliche Probleme (62 Prozent) und beklagen den hohen Aufwand in der Vorbereitung (60 Prozent). Außerdem fühlen sich 60 Prozent der Dozenten durch Tablets oder Laptops gestört, wenn die Studierenden sie während ihrer Lehrveranstaltung nutzen. Ansätze, die individuelle Förderung ermöglichen würden, wie digitale Planspiele und Simulationen sowie elektronische Übungen und Tests, baut nur jeder vierte Dozent in seine Lehrveranstaltungen ein. Eine gesamte Vorlesungsreihe als abrufbares Video produzieren gerade einmal zwei Prozent der Professoren. Diese so genannten MOOCs – Massive Open Online Courses – spielen demnach in der akademischen Lehre an deutschen Hochschulen so gut wie keine Rolle. Allerdings: In der akademischen Weiterbildung werden sie gerne genutzt; etwa 10 Prozent der Hochschulen setzen auf vollständig digitalisierte Weiterbildungsangebote.

Digitale Verfechter versus analoge Skeptiker

Unter Hochschulleitungen und Verwaltungsmitarbeitern bilden sich zwei gleichgroße Lager konsequent digitaler Verfechter und konsequent analoger Skeptiker. Letztere messen dem Thema einen geringen strategischen Stellenwert zu, sodass dort auch zukünftig nicht mit einem hochschulweit systematischen Einsatz digitaler Lernmedien zu rechnen ist. „Es fehlt insgesamt an konkreten Strategien, um mit digitalen Medien die Lehre zu verbessern“, schließen die Bertelsmänner. Mehr als die Hälfte der Hochschulmanager fühle sich zwar für die Infrastruktur verantwortlich, setze bei deren Anwendung aber auf Professoren, Dozenten und Studierende. Viele Rektoren, Dezernenten und Verwaltungsmitarbeiter sehen durchaus große Chancen in der Digitalisierung. Etwa 70 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sich durch digitale Lösungen nicht nur die wachsende Anzahl von Studierenden bewältigen lässt, sondern auch ihre zunehmende Vielfalt. Einige Fragen gilt es jedoch noch zu klären. Ganz oben auf der Liste stehen rechtliche Aspekte wie die Anrechnung des Lehrdeputats. 70 Prozent geben dies als größte Herausforderung an, dicht gefolgt von den Kosten für die IT-Betreuung (60 Prozent). Ende

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