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Smartphone-Anwendungen geben Flüchtlingen Starthilfe

Mit Apps ankommen

Bijan kommt aus dem Senegal und ist seit acht Monaten in Deutschland. Sein Handy hat er in Griechenland gekauft und mitgebracht. Er nutzt es für drei Dinge: Deutsch lernen, Nachrichten verfolgen, Textnachrichten an Familie und Freunde schreiben. Ebenfalls auf seinem Homescreen: „Ankommen“ – die App des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Smartphone-Anwendungen wie diese sollen den Geflüchteten beim Ankommen in der Fremde Starthilfe geben.

Wer als Flüchtling in Deutschland ankommt, hat es nicht leicht: Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und Behördengänge müssen gemeistert werden. Dabei helfen den Geflüchteten zunehmend diverse Smartphone-Apps, denn für die meisten Flüchtlinge ist das Gerät weniger ein teures Telefon, sondern ein sehr günstiger Computer. Es ist kein Statussymbol, es ist für viele schlicht der einzige Weg ins Internet und in den neuen Alltag in der Fremde. „Ankommen“ heißt die App des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Sie bietet Orientierung über die Gepflogenheiten in Deutschland, hilft beim Deutsch lernen und erklärt das Asylverfahren: „Verstehen, wie Deutschland funktioniert, ist Grundlage für ein gutes Miteinander. Jeder Mensch hat die gleichen Pflichten und muss sich an das deutsche Gesetz halten. Aber: Jeder hat auch die gleichen Rechte. Sie lernen in der App die Regeln dieses Landes kennen und erfahren worauf Sie achten müssen. Lassen Sie sich darauf ein!“, wirbt das BAMF in den App-Stores für seine Anwendung.

„Ankommen“ heißt die App des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Direkt mit den Behörden kommunizieren können die Menschen mit dieser und vielen anderen Apps allerdings nicht, weil sensible personenbezogene Informationen seitens der Behörden aus Datenschutzgründen nicht einfach über W-Lan oder soziale Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp übertragen werden dürfen. Als Lösung dafür hat Heinekingmedia aus Hannover den Messenger „stashcat“ für die sichere Kommunikation mit Behörden entwickelt, der bei der Polizei in einigen Bundesländern bereits zum Alltag gehört.

„stashcat“ – der sichere Kurznachrichtendienst

Der Kurznachrichtendienst kann auch in der Flüchtlingsthematik helfen und wird auf eigenen Servern in Deutschland betrieben. Er besitzt eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und lässt sich in bestehende Verwaltungsnetz-Strukturen integrieren. Über Einzel-, Gruppenchats und Channels können Behördenangestellte Kontakt mit den gewünschten Personen oder Personengruppen aufnehmen.

Die Teilnehmer antworten mit Smartphone, Web oder Desktop-Messenger. Mit der integrierten Übersetzungsfunktion werden Textnachrichten der jeweiligen Landessprache automatisiert in eine andere Sprache übersetzt, sodass bei Sprachbarrieren grundlegende Infos auch ohne Dolmetscher kommuniziert werden können. Der kontrollierte Zugriff erfolgt, indem die Asylantragssteller den Messenger auf ihrem Smartphone installieren oder sich von einem PC aus anmelden. Jeder Nutzer verwendet dabei seine individuelle Identifikationsnummer und schützt den Zugang durch ein eigenes Passwort. Der Sachbearbeiter kann so zum Beispiel mit einem Klick Kontakt zum Asylantragssteller aufnehmen, generelle Informationen können über Channels an alle Flüchtlinge oder gezielt eine Unterkunft zugesandt werden. Die Identifikation und Authentifizierung aller Teilnehmer erfolgt über die zentrale Erfassung von Flüchtlingen.

Noch im Entstehen ist die App „Bureaucrazy“ von sechs syrischen Flüchtlingen, die Fremden generell den Weg durch die sprichwörtliche deutsche Bürokratie erleichtern wollen.
„Stashcat“ ist ein sicherer Messengerdienst, auf den mittlerweile auch Behörden und Verwaltungen zurückgreifen, um mit Geflüchteten und Asylbewerbern in Kontakt zu treten.

„Bureaucrazy“ – von Flüchtlingen für Flüchtlinge

Der jüngste „Spross“ in der App-Familie für Geflüchtete in Deutschland ist „Bureaucrazy“ – ein Wortspiel mit der sprichwörtlichen deutschen Bürokratie. Als Ahmad Alarashi, Omar Alshafai, Mohamad Khattab, Munzer Khattab, Yazan Salmo und Ghaith Zamrik als Flüchtlinge aus Syrien Ende 2015, Anfang 2016 nach Deutschland kamen, mussten sie Unmengen an Dokumenten ausfüllen und unterschreiben. Nur wenige gab und gibt es auf Arabisch. Vielen Behörden fehlen zudem noch immer Übersetzer für Arabisch, Farsi oder Paschtu. Außerdem sprechen die Mitarbeiter selten fließend Englisch. Letztendlich unterschreiben viele Flüchtlinge Papiere, deren Inhalt sie nicht kennen. Deshalb lernten die sechs Syrer nach ihrer Ankunft nicht nur Deutsch, sondern arbeiteten auch an der Entwicklung einer neuen Smartphone-App, die Neuankömmlingen den Weg durch die deutsche Bürokratie erleichtern soll: Formulare und Vordrucke aus dem Deutschen wird sie ins Arabische und Englische übersetzen. Die App soll außerdem helfen, Flüchtlinge bei den Behörden zu registrieren, ein Bankkonto zu eröffnen, sich bei Versicherungen anzumelden und sämtliche andere Wege zu den Behörden erleichtern. Hinzu kommt eine Stadtkarte, zunächst die von Berlin, auf der alle Behörden und Ämter verzeichnet sind. Neuankömmlinge haben so die Möglichkeit, sich zu orientieren. Geplanter Start für „Bureaucrazy“: erstes Quartal 2017. Wenn die App vollendet ist, soll sie eines Tages nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland und in anderen Städten Europas angewendet werden können. Das Konzept bleibt dasselbe: Regierungsunterlagen und Formulare werden gesammelt und in der App gespeichert, so dass sie später übersetzt und in einfacher Sprache gelesen werden können. Die App kann also leicht an andere Länder angepasst werden, wenn die Unterlagen der Behörden vorliegen. Nun hoffen die jungen Entwickler auf eine Zusammenarbeit mit den Berliner Behörden, um die App zunächst in Berlin zu testen. Ende

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