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Forum Personalvertretungsrecht

Digital Natives in die Personalräte!

Junge Menschen und Gewerkschaften – warum und wie das auch in Zukunft ein erfolgreiches Gespann ist, erläutert dbb jugend Vize Philipp Mierzwa im t@cker Interview.

Am 8. und 9. April 2019 treffen sich Personalvertreter aus ganz Deutschland zum dbb Forum Personalvertretungsrecht in Berlin – Motto: „Auf dem Weg in die Digitalisierung. Ihr Personalrat. Auf Ihrer Seite.“ Mit dabei ist auch dbb jugend Vize Philipp Mierzwa, der im Forum „Digital Natives in die Personalvertretungen!“ gemeinsam mit Janna Gall von der Deutschen Verwaltungsgewerkschaft-Jugend (DVG-Jugend) diskutieren wird, wie junge Menschen für die Mitbestimmungs- und Gewerkschaftsarbeit begeistert werden können. t@cker hat sich vorab mit Philipp getroffen, um über dieses spannende Thema zu sprechen.

t@cker: Warum Gewerkschaft? Ist das nicht total out?

Philipp Mierzwa: Tatsächlich ist der Begriff „Gewerkschaft“ für Außenstehende wahrscheinlich noch nie wirklich sexy gewesen und wird es für Uninteressierte wohl auch nie sein. Wer sich aber näher mit der Thematik beschäftigt, wird feststellen, dass sowohl die Gewerkschaftsmitgliedschaft als auch die Gewerkschaftsarbeit sehr vielseitig und überaus bereichernd ist! Wo, wenn nicht in meiner Gewerkschaft, kann ich bereits am Anfang des Berufslebens – in dieser starken Form – Einfluss nehmen und Veränderungsprozesse anstoßen und begleiten? Da bietet eine Gewerkschaft die Möglichkeit zur Partizipation mit dem nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt, dass man auch noch auf zahlreiche Gleichgesinnte trifft und sich ein gutes Netzwerk aufbaut.

t@cker: Dem Vernehmen nach interessiert man sich ja heutzutage vornehmlich für sich selbst und einen irgendwie gearteten individuellen Mehrwert – alles Quatsch? Oder kommt man da in einer Gewerkschaft durchaus auch auf seine Kosten?

Philipp Mierzwa: Das eine schließt aus meiner Perspektive das andere nicht aus. Persönlich setze ich mich als Gewerkschafter vor allem für andere ein. Das muss aber ja nicht bedeuten, dass ich nicht auch zu der Gruppe von Menschen gehöre, für die ich mich einsetze. Als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst betreffen mich selbst doch fast alle Themen, die wir als dbb jugend und dbb behandeln! Es handelt sich also aus meiner Perspektive um einen klassischen Fall von „egoistischem Altruismus“: Ich schaffe einen Mehrwert für alle, von dem ich dann auch ganz individuell profitiere. Außerdem lerne ich durch die Gewerkschafts- und Personalratsarbeit auch viel, was mich im Beruf weiterbringt.

t@cker: Es spricht also Einiges für Gewerkschaft. Wie fühlt man sich denn so als Nachwuchskraft und „Digital Native“ auf dem Mitbestimmungsparkett? Der demografische Wandel hat ja hier sicher auch nicht Halt gemacht…

Wünscht sich viel mehr junge Menschen auf dem Mitbestimmungsparkett: dbb jugend Vize Philipp Mierzwa.

Philipp Mierzwa: In der Tat würde ich mir viel mehr junge Menschen auf diesem Mitbestimmungsparkett wünschen. Immer wieder höre ich in Gesprächen mit jungen Mitgliedern aber, dass sie ihre Mitarbeit in Personalräten offensiv anbieten, jedoch mit diesem Wunsch abblitzen und auf den Listen für die Wahlen dann meist gar nicht oder nicht aussichtsreich berücksichtigt werden. Und selbst bei denjenigen, die man schon für die Jugend- und Auszubildendenvertretung gewinnen konnte, wird nur selten an den Übergang auf die Personalratsebene gedacht. Das ist nicht nachhaltig. Mir ist natürlich auch bewusst, dass eine Chance für die Jugend häufig auch mit dem Verzicht von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen einhergeht, aber ein Personalratsgremium kann von einem Mix aus Erfahrung und Jugend nur profitieren! Schließlich sollen ja auch alle Beschäftigtengruppen der Dienststelle repräsentiert werden und sich vertreten fühlen.
Und zu dem Argument, dass wir ja überhaupt keine Erfahrung hätten: Wo sollen wir jungen Menschen denn die Erfahrung hernehmen, die immer gefordert wird, wenn wir keine Möglichkeiten bekommen diese zu sammeln?

t@cker: Wie generationengerecht sind Gewerkschaften selbst? Siehst Du da Nachholbedarf? Wie sieht der Generationendialog in der dbb Familie aus?

Philipp Mierzwa: Im dbb habe ich das Gefühl, dass dieser Generationendialog schon sehr gut funktioniert, und auch wir als Bundesjugendleitung streben eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Interessenvertretungen innerhalb des dbb an. Im Rahmen der letzten Jahrestagung haben wir uns als Bundesjugendleitung beispielsweise mit der Seniorenvertretung getroffen, um mögliche Punkte der Zusammenarbeit zu identifizieren. Das hat sehr gut geklappt, und ich bin fest davon überzeugt, dass der dbb erkannt hat, dass es alle Gruppen innerhalb des Dachverbands braucht, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Auch hier gilt: Nur zusammen sind wir stark.

t@cker: Was muss sich aus Deiner Sicht ändern, damit Gewerkschaften mehr junge Menschen für sich und ihre Sache begeistern können? Berufspolitische Theorie ist sicher das Eine – aber was ist konkret das Andere, das dem Nachwuchs dann tatsächlich den Anstoß gibt?

Philipp Mierzwa: Der Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit ist in der Generation Y, den Digital Natives, sehr ausgeprägt. Ich glaube das ist der Hebel, an dem wir ansetzen können und müssen. Wir müssen es schaffen, andere dafür zu begeistern, Verantwortung zu übernehmen und ihnen klarmachen, dass das Ehrenamt in dieser Hinsicht nicht nur erfüllend sein kann und Spaß macht, sondern dass beispielsweise Personalrats- oder Gewerkschaftsarbeit sehr stark dazu beitragen kann, die Arbeitswelt für uns alle zu einem besseren Ort zu machen.

t@cker: Müssen Gewerkschaften, Personal- und Betriebsräte auch anders kommunizieren, andere Kanäle als bislang nutzen, um die junge Generation anzusprechen?

Philipp Mierzwa: Das ist ein Punkt, auf den ich immer wieder stoße. Ich befürchte, dass die Hoffnungen, die in dem Zusammenhang in diese anderen Kanäle – ich denke da jetzt an Social Media – gesteckt werden, zu übertrieben sind. Social Media sind nicht das Allheilmittel in der Kommunikation mit Digital Natives, und ich befürchte, dass deren Mehrwert in dieser Diskussion stark überschätzt wird, was aber nicht bedeutet, dass wir als Interessensvertreter für neue Kommunikationswege nicht offen sein sollten. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die kommunizierten Inhalte erheblich wichtiger sind als die Kommunikationsart an sich. Außerdem gewinnt man auch junge Menschen am besten im persönlichen Kontakt.

t@cker: Gibt’s in 100 Jahren noch Gewerkschaften?

Philipp Mierzwa: Also Gewerkschaften werden schon seit mindestens 100 Jahren stetig totgesagt und sind gemessen an der Mitgliederzahl nach wie vor die größte politische Kraft in unserer Bundesrepublik. Wenn weiterhin in die Jugendarbeit investiert wird und sich weiterhin so viele junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter begeistert engagieren, mache ich mir da wenig Sorgen. Denn eins steht fest: Die Arbeit wird uns garantiert nicht ausgehen. Ende

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12. dbb Forum Personalvertretungsrecht

Am 8. und 9. April 2019 diskutieren im dbb forum berlin Personalräte aus ganz Deutschland die Heraus- und Anforderungen der Digitalisierung an die Mitbestimmungsarbeit: Welchen Einfluss haben die durch Digitalisierung ermöglichten neuen Arbeitsformen auf die Kommunikationswege zwischen Personalrat und Beschäftigten, aber auch personalratsintern? Wie ist die notwendige Qualifizierung – Schlüssel zu einer sozialverträglichen Digitalisierung – in der Praxis zu gestalten? Und vor allem: Wie kann eine gerechte Verteilung der mit Qualifizierung verbundenen Chancen sichergestellt werden? Diese und viele weitere Fragen und Erfahrungen werden in Vorträgen, Fachforen und nicht zuletzt auch im persönlichen Gespräch der Teilnehmer ausgetauscht und, wo möglich, mit Anregungen für praxisnahe Lösungen bedacht.

Mehr Infos und Anmeldung findet Ihr hier.

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