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Initiative „Wir sind der Osten“

Im Westen geboren, im Osten zuhause

Jessy James LaFleur zog nach Görlitz, weil sie im Osten ein besseres Miteinander erlebte.

 

Die Initiative „Wir sind der Osten“ macht Menschen in und aus Ostdeutschland sichtbar, die die Zukunft positiv gestalten. Mit dabei sind auch Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst. Auf der Webseite berichten in der neuen Kategorie „rübergemacht“ jetzt auch Menschen von ihren persönlichen Erfahrungen, die in den westlichen Bundesländern oder im Ausland aufgewachsen sind und im Osten ihre Heimat gefunden haben.

Progressive Geschichten anstatt Klischees

Die Idee zur Initiative „Wir sind der Osten“ entstand im Juli 2019 auf der Social-Media-Plattform Twitter. Die Journalistin Melanie Stein fragte ihr Netzwerk, welche erfolgreichen (jungen) Menschen aus Ostdeutschland bekannt seien? Hintergrund waren die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen, durch die „der Osten“ häufiger in der Berichterstattung fokussiert wurde. Doch die veröffentlichten Geschichten und Bilder waren Stein oft zu negativ, zu problemorientiert und zu klischeebelastet. Stein war auf der Suche nach anderen Geschichten und Menschen. Macherinnen und Macher, die die Zukunft in ihrer Heimat positiv gestalten. Mit anderen Kolleginnen und Kollegen gründete sie daraufhin die Initiative „Wir sind der Osten“, die auf ihrer Webseite Menschen portraitieren, die Herausforderungen in den neuen Bundesländern anpacken und für eine progressive Entwicklung stehen.
Seit August 2020 gibt es die neue Kategorie „rübergemacht“. Mehr als 100 Menschen, die in den westlichen Bundesländern oder im Ausland aufgewachsen sind und im Osten ihre Heimat gefunden haben, erzählen ihre persönlichen Geschichten. Sie haben alle sehr unterschiedliche Beweggründe, warum sie nach Ostdeutschland gezogen und geblieben sind.

Kulisse wie aus dem Märchenbuch

Ariana Barrenechea ist 1991 in Peru geboren, in den USA aufgewachsen und hat sich für Erfurt als Studienort entschieden. Ihr erster Eindruck? „Als ich das erste Mal nach Ostdeutschland kam, wurde ich sofort von der schönen Architektur im Stadtzentrum von Erfurt begrüßt. Es sah aus wie eine idyllische Kulisse aus einem Märchenbuch.“ Barrenechea gefällt auch, dass Ostdeutschland aufstrebende Städte hat, in denen Gründerinnen wie sie einen großen Einfluss haben können. Barrenechea hat das Start-up MINTy Girls mitgegründet, das mehr Mädchen für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) begeistern möchte. In Deutschland nimmt das Interesse für die Fächer nachweislich bis zum Alter von elf Jahren ab. Bei MINTy Girls werden in einem Mentorinnenprogramm Mädchen ab acht Jahren von weiblichen Vorbildern inspiriert, die entweder MINT-Studentinnen oder -Profis sind. Die Idee für das Start-up kam Barrenechea und ihren Kommilitoninnen bei einem Social-Entrepreneurship-Seminar an der Universität Erfurt. Mittlerweile werden sie von Bildungseinrichtungen und Unternehmen aus der Region unterstützt.

Mehr Freiräume und ein besseres Miteinander

Jessy James LaFleur, Jahrgang 1985, ist in Ostbelgien aufgewachsen und zog nach Görlitz, weil sie im Osten ein besseres Miteinander erlebte. 2015 gründete die Künstlerin die Initiative „Angeprangert! Spoken Word“, die selbst geschriebene Texte ausdrucksstark auf die Bühne bringt. 2019 wurde das Projekt mit einem Gründerstipendium in Görlitz ausgezeichnet. „Ich habe im Osten ein größeres Interesse und Vertrauen in meine Arbeit erfahren und es stand für mich außer Frage, dass ich an einen Ort ziehen wollte, wo mein Engagement etwas leisten kann.“
Jahrelang hat LaFleur ihre Musik und Gedichte in zahlreichen Ländern und in drei verschiedenen Sprachen auf die Bühne gebracht. Mittlerweile konzentriert sie sich darauf, junge Menschen darin auszubilden und ihnen eine Stimme zu geben.
Was LaFleur über Ostdeutschland gelernt hat? „Dass es eben nicht nur Nazis gibt und dass die Wiedervereinigung nicht nur ein Gewinn, sondern für viele auch ein Verlust war. Dass man hier erfolgreich sein kann und die nötige Unterstützung bekommt.“ Es gäbe im Osten noch Freiräume für die Verwirklichung von Ideen und Utopien, schwärmt sie. Mit ihrer Initiative möchte die Künstlerin in ferner Zukunft einen „SpokenWord-Campus“ mit neuen Ausbildungsmöglichkeiten verwirklichen – basierend auf den Werten, die die Ostdeutschen in ihren Augen stolz machen: Menschlichkeit und Zusammenhalt.

Mehr Osten wagen

Die Geschichten von Ariana Barrenechea und Jessy James LaFleur sind nur zwei Perspektiven auf die neuen Bundesländer, die oft zu wenig Gehör finden.
Es wird 30 Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung endlich Zeit, die öffentliche Wahrnehmung des Ostens zu ändern. Melanie Stein und die Initiative „Wir sind der Osten“ leisten einen wertvollen Beitrag dazu. Ende

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