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Nachbarschaftsseminar „Hessen meets BaWü“

Gipfeltreffen der dbb Landesjugendleitungen von Baden-Württemberg und Hessen auf dem Heidelberger Schloss: ein gelungener Austausch, Fortsetzung folgt.

„An Hessen führt kein Weg vorbei“ – beim Nachbarschaftsseminar „Hessen meets BaWü“, organisiert und ausgerichtet von der baden-württembergischen und hessischen Landesjugendleitung, kam dieser Bundesland-Slogan aufgrund des Tagungsorts Heidelberg zumindest für die baden-württembergischen Teilnehmer*innen nicht zum Tragen. Dafür durften die hessischen Kolleg*innen erfahren, dass die Baden-Württemberger*innen alles können – außer Hochdeutsch. Vom 8. bis 10. April 2022 traf man sich zum bilateralen Gipfeltreffen.
Das Seminar startete mit einem Kennenlernen und gemeinsamen Ausklingenlassen des ersten Abends in der Heidelberger Altstadt. Mit guter Stimmung konterten die jungen Gewerkschafter*innen das regnerische, stürmische Wetter, das schließlich auch noch von starkem Schneefall gekrönt wurde. Bei Sonnenschein ging es am nächsten Morgen ins Friedrich-Ebert-Haus, in dessen Sitzungssaal sich die Teilnehmer*innen über die Jugendverbandsarbeit austauschten. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Analyse der Zusammenarbeit mit den Fachjugendverbänden. Die Bestandsaufnahme endete mit dem ernüchternden Ergebnis, dass es immer schwieriger wird, junge und engagierte Menschen zu finden, die nicht nur monetäre Vorteile mit der Gewerkschaft verbinden, sondern aufgrund ideeller Werte gewerkschaftlich aktiv sind bzw. sein wollen. Daran anschließend wurden im Rahmen eines Workshops Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Die baden-württembergischen und hessischen Teilnehmer*innen sind sich einig, dass insbesondere niedrigschwellige Angebote, z. B. Online-Formate sowie die Generierung persönlicher Kontakte bei der Nachwuchsgewinnung ausschlaggebend sind.

Gefühl für Zielgruppen entwickeln

Hierzu gilt es, die jeweilige Verbands- und Mitgliederstruktur zu analysieren, Bedarfe herauszukristallisieren und darauf aufbauend bspw. spezifische Seminare anzubieten. Neben diesem „Gefühl für die Zielgruppen“ bedarf es der Unterstützung durch die Dachverbände sowie einer regelmäßigen und ausgewogenen Kommunikation, insbesondere über die sozialen Medien. Einen weiteren Ansatzpunkt sehen die Seminarteilnehmer*innen in den Ausbildungsvertretungen in den jeweiligen Behörden bzw. Bildungseinrichtungen (z. B. Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Ausbildungspersonalräte). Auch hier gilt es, auf diese zuzugehen, sich aktiv mit deren Themenbereichen auseinanderzusetzen und sie in ihrer Arbeit zu unterstützen. Ferner können Events, bei denen die Gewerkschaft bzw. gewerkschaftliche Themen nicht im Vordergrund stehen als „Door Opener“ fungieren.
Nach eigener Erkundung der Altstadt ging es am frühen Nachmittag weiter mit einer digitalen Schnitzeljagd. Die auf Wunsch der Teilnehmer*innen nach Geschlecht aufgeteilten Teams befanden sich auf der Jagd nach einem gefährlichen Virus, dessen Verbreitung nur durch die beiden Teams aufgehalten werden konnte. Hierzu waren insgesamt 12 Rätsel u. a. unter Zuhilfenahme von Augmented Reality und weiteren Utensilien aus einem vom Spielleiter ausgehändigten Koffer zu lösen. Schlussendlich gelang es beiden Teams, die „Welt zu retten“; dem „weiblichen Team“ mit einem geringen Zeitvorsprung. Am Abend wurden die Seminarteilnehmenden von einem Nachtwächter durch das Heidelberger Schloss geführt – das Jahr 1622 vor Augen. Dabei bekam die Gruppe nicht nur authentische Einblicke in das historische Geschehen, insbesondere die am 1. Juli 1622 bevorstehende Belagerung Heidelbergs durch Truppen der Katholischen Liga unter General Tilly sowie die darauffolgende Einnahme der Stadt. Ebenso gab es einen atemberaubenden Blick vom Schlossturm, der über Mannheim bis in die Pfalz reichte, und spannende Eindrücke aus den Innenräumen des Heidelberger Schlosses. Eine im Zuge der Führung hinzugekommene Magd informierte über die damaligen Gewohnheiten. So war zu erfahren, dass das Sprichwort „Alles in Butter“ seinen Ursprung in der seinerzeitigen Gepflogenheit hat, königliche Wertgegenstände oder auch zu transportierende Schlossfenster zum Schutz in Butter zu „verpacken“. „Ausbaden“ musste derjenige, der die letzte Nummer beim Baden erwischt hatte, denn im 17. Jahrhundert war es gängige Praxis, dass ein einmal eingelassenes Bad einer zweistelligen Zahl an Personen verfügbar gemacht wurde.

Mängel bei Perspektiven und Führungskräfte-Entwicklung

Am Vormittag des letzten Tages vertieften die Teilnehmenden des Nachbarschaftstreffens gewerkschaftspolitische Themen in den beiden Bundesländern. Dabei kam unter anderem das 4-Säulen-Modell zur Sprache, welches sich in Baden-Württemberg in der Umsetzung befindet und die Ämteranhebung im mittleren und gehobenen Dienst, die Neustrukturierung der Erfahrungsstufen, die Rücknahme der Absenkung der Beihilfebemessungssätze sowie die Erhöhung der kinderbezogenen Familienzuschläge für das erste und zweite Kind vorsieht. Während in Baden-Württemberg das Bundesverfassungsgerichtsurteil, welches eine Besoldung von 15 Prozent über dem Grundsicherungsniveau vorsieht, mit diesem Modell gestaltend umgesetzt werden soll, steht in Hessen eine Realisierung noch aus. Dagegen werden die in Hessen bereits umgesetzten flexiblen Lebensarbeitszeitkonten in Baden-Württemberg momentan intensiv diskutiert. Ob dabei das seitens der BBW und der bbw-jugend gewünschte hessische Modell am Ende der politischen Debatte steht, ist zum momentanen Zeitpunkt noch nicht klar. Die baden-württembergischen Teilnehmer*innen berichteten von der Novellierung des Landesreisekostengesetzes, welche den Verzicht auf die hälftige Kürzung der Reisekosten sowie die Verbesserung bei der Wegstreckenentschädigung mit sich bringt.
Themen waren auch der Quereinstieg in die Verwaltung vor dem Hintergrund der Qualitätssicherung, die Digitalisierung und elektronische Aktenführung, die Mobilität zwischen Behörden, Ländern und Laufbahngruppen sowie die – nicht gegebene – Einheitlichkeit von Rahmenbedingungen für duale Studiengänge. Bedauerlicherweise stellte sich im Austausch heraus, dass sowohl in Hessen als auch in Baden-Württemberg große Mängel hinsichtlich Entwicklungsperspektiven und Führungskräfteentwicklung bestehen. Dies beginnt bei der fehlenden Anerkennung von Masterabschlüssen und mündet in der ausbleibenden Entlohnung ergänzender Führungsaufgaben. Mit der Folge: Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes sinkt weiter und Spitzenkräfte, die besten Köpfe, nach denen immer gesucht wird, können nicht langfristig gehalten werden. Vor dem Hintergrund des Nachwuchsmangels in Kombination mit den anstehenden Pensionierungswellen ist dies eine erschütternde Bilanz, so die jungen Gewerkschafter*innen einhellig. Daran gilt es zu arbeiten: Seitens der bbw-jugend, der dbbj hessen und in konstruktiver Zusammenarbeit!
Summa summarum war das Gipfeltreffen in Heidelberg ein überaus gelungenes Seminar, welche einen Mehrwert für alle Teilnehmenden bot. Beim geplanten Gegenbesuch führt dann auch für die baden-württembergischen Teilnehmer*innen kein Weg an Hessen vorbei. Ende

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It’s a match! Gewerkschaftsjugend trifft Politik

Rund 40 Ehrenamtliche konnte die dbb jugend nrw zu ihrem Frühjahrs-LJA in Dortmund begrüßen.

Ein politischer Diskurs im Dating-Gewand und 40 junge Gewerkschafter*innen – wie passt all das zusammen? Die diesjährige Frühjahrs-Tagung der dbb jugend nrw am 1./2. April in Dortmund zeigte: sehr gut! Das flotte Format der Veranstaltung brachte sogar Landtagsabgeordnete ins Schwärmen. Getreu dem diesjährigen Jahresthema des gewerkschaftlichen Jugendverbands „mit mischen – mit bestimmen – MIT DIR!“ standen Partizipation und Austausch bei der Frühjahrs-Tagung mit rund 40 jungen Ehrenamtlichen im Vordergrund. Passend dazu stand gleich ein Highlight auf dem Programm: Beim Speed-Dating konnten die Mitglieder mit Spitzenvertreter*innen aus der Landespolitik schnell und unkompliziert ins Gespräch kommen. Gleich fünf Politiker*innen stellten sich den kritischen Fragen der jungen Gewerkschafter*innen.

Auf ein Date mit Landtagsabgeordneten

Das Konzept war dabei so einfach wie effektiv: Die Teilnehmenden wechselten in fünf Gruppen von einem Thementisch zum nächsten, um innerhalb von jeweils 12 Minuten zwar nicht die große Liebe, aber jede Menge Antworten auf ihre Fragen zu finden. Wegen der Kürze der Zeit galt es, schnell auf den Punkt zu kommen. Keine Chance für lange Floskeln – klare Haltung war gefragt. Der Austausch mit den Landtagsabgeordneten zu den Themen Innere Sicherheit, Bildung, Partizipation, Demokratie, Pflege und Kommunales bot für alle Beteiligten eine erfreuliche Abwechslung. Die Runden vergingen wie im Flug und es hätte noch lange weiterdiskutiert werden können. Auch wenn die Positionen durchaus unterschiedlich waren – in einer Sache waren sich alle einig: Ein zweites Date kann es gerne geben.

Gegen Hass, für eine starke Demokratie

Auch Landesjugendleiterin Susanne Aumann freute sich über den gelungenen Austausch und betonte die Wichtigkeit der Demokratie in der heutigen Zeit. Besondere Grußworte gab diesmal gleich von drei Seiten. Der stellvertretende Vorsitzende des DBB NRW, Himmet Ertürk, lobte die Arbeit der dbb jugend nrw und bestärkte den Gewerkschaftsnachwuchs in seinem Tun. Dem schloss sich auch Florian Schütz an, der als stellvertretender Bundesjugendleiter der dbb jugend nach Dortmund gekommen war. Auch die Vorsitzende der örtlichen Kreisjugendgruppe, Sabrina Rehbann, begrüßte die Delegierten und gab eine kleine Einführung zur Stadt.

Mit vielen Projekten ins weitere Jahr

Die übrige Zeit der Frühjahrstagung war gut gefüllt mit spannenden Inhalten. Die Landesjugendleitung berichtete über die gewerkschaftliche Arbeit der vergangenen Monate: politische Gespräche, Seminare und Austauschtreffen – der Vorstand ist gut vernetzt. Der Ausblick auf die kommenden Wochen machte klar: Es geht genauso weiter.
Doch nicht nur die Landesjugendleitung hatte viel zu berichten. Auch die Vertreter*innen der Kreis- und Fachgewerkschaftsjugendgruppen der dbb jugend nrw stellten ihre Arbeit vor. Ob Weihnachtsaktion, Bungeejumping oder eine Gruppenzugfahrt durch NRW – die jungen Gewerkschafter*innen sind in viele Richtungen engagiert. Nach einem arbeitsreichen und intensiven ersten Arbeitstag freuten sich alle auf den gemeinsamen Ausklang. Im nahegelegenen Bierhaus konnte beim Kneipenquiz mit Wissen rund um Dortmund, NRW und die dbb jugend nrw geglänzt werden. Anschließend wurde noch kräftig weitergefeiert und getanzt. Schon jetzt freut sich die LJL auf das nächste Wiedersehen im Herbst am 4./5. November 2022. Ende

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